Was tut der Verband, um die drohende Lehrstellenkrise für Friseure zu lösen?

Vorstandsmitglied Christian Kaiser im Gespräch mit Jugendlichen und Eltern über die Chancen im Friseurhandwerk.

Vorstandsmitglied Christian Kaiser im Gespräch mit Jugendlichen und Eltern über die Chancen im Friseurhandwerk.

Christian Kaiser ist im Vorstand des Landesinnungsverbandes des bayerischen Friseurhandwerks für die Berufsbildung zuständig. Im nachfolgenden Kurzinterview berichtete er von den Erfahrungen auf der Berufsbildungs-Messe.

Ist der Friseurberuf out?

Kaiser: Nein auf keinen Fall. Die Messe in Nürnberg hat wieder gezeigt, der Friseurberuf liegt voll im Trend. Das Interesse ist weiterhin da. Durch den demographischen Wandel wird es allerdings schwieriger, alle offenen Lehrstellen im Friseurhandwerk zu besetzen.

Also keine Krise bei der Attraktivität?

Kaiser: Das Friseurhandwerk ist attraktiv wie immer, aber natürlich haben wir auch mit sinkenden Lehrlingszahlen zu tun. Das trifft unsere Betriebe. Wer sich nicht rechtzeitig als Betrieb positioniert, der hat das Nachsehen, kann offene Stellen nicht besetzen und dem droht der Fachkräftemangel. Ich kann daher nur an alle Saloninhaber zu appellieren, rechtzeitig die richtigen Weichen zu stellen und auch neue Wege zu gehen.

Welche Wege könnten dies sein?

Kaiser: Wer Jugendliche für das Friseurhandwerk gewinnen will, muss auf sie zugehen und mit ihnen sprechen. Innungsbetriebe können sich bei Messen und Veranstaltungen präsentieren oder in die Schulen gehen. Man muss in die Öffentlichkeit gehen, aber auch Leute in den Salon einladen. Und nicht zu vergessen die sozialen Netzwerke, allen voran Facebook, die heute für den Kontakt zu jungen Leuten unverzichtbar sind. Der LIV unterstützt die Betriebe hier mit Material und Seminaren.

Was tut denn der Verband, um die drohende Lehrstellenkrise zu lösen?

Kaiser: Wir arbeiten auf mehreren Ebenen. Einmal wie hier bei der Berufsbildung 2012 in Nürnberg praktisch vor Ort. Der Landesinnungsverband zeigt mit seinen Partner ein modernes Bild des Friseurhandwerks live und zum Anfassen. Die Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern können in den offenen Stand kommen und mit den Gesellen und Lehrlingen sprechen. Gerade motivierte junge Lehrlinge sind die besten Botschafter für unser Handwerk. Wir haben als Verband neuestes Material für die Nachwuchswerbung produziert, das wir in Nürnberg mit Erfolg eingesetzt haben. Zudem machen wir gute Erfahrungen mit den Medien unseres Zentralverbandes, der zusammen mit L’Oreal die umfangreiche Kampagne „My beauty Career“ entwickelt hat.

Auf anderer Ebene stellen wir in der Tarifpolitik und in der Bildungspolitik die richtigen Weichen. Die Mitgliederversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks hat vor kurzem die Aufnahme von Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi über einen Mindestentgelt-Tarifvertrag befürwortet. Auch wir Bayern haben hier mitgestimmt. Eine Tarifgemeinschaft der Landesinnungsverbände soll bald mit den Verhandlungen beginnen. Der Zentralverband setzt damit ein deutliches Zeichen für aktive Tarifgestaltung in der Friseurbranche.

Welche Fragen wurden bei der Berufsbildung 2012 von den Jugendlichen vor allem gestellt?

Kaiser: Viele Fragen drehten sich um Lehrinhalte und die Anforderungen. Was wird denn in der Lehre beigebracht und was muss der Jugendliche bei der Wahl seines Ausbildungsbetriebes beachten. Hier haben wir ein klares Statement für die Innungsbetriebe abgegeben. Uns ist es wichtig, warum die Jugendliche den Friseurberuf ergreifen wollen. Viele kommen mit konkreten Vorstellungen, sind aber dann doch erstaunt, welche Vielfalt der Beruf bietet. Für mich bedeutet dies, wir müssen unser Handwerk noch besser vorstellen und die Chancen klarer kommunizieren.

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