Corona-Virus: Kein Entschädigungsanspruch bei genereller Schließung

 

SARS-Coronavirus-2 (Quelle: Tobias Hoffmann, Michael Laue, Robert Koch-Institut (RKI), 2020.

SARS-Coronavirus-2 (Quelle: Tobias Hoffmann, Michael Laue, Robert Koch-Institut (RKI), 2020.

Keinen Erstattungsanspruch sieht das Infektionsschutzgesetz (IfSG) derzeit vor, wenn eine generelle Schließung aller Friseursalons angeordnet wird. Dies hat die Nachfrage des Landesinnungsverbandes beim Bayerischen Gesundheitsministerium ergeben. Vor allem in den sozialen Netzwerken hält sich hartnäckig das Gerücht, eine Zwangsschließung sei mit einer Entschädigung verbunden. Seitens des Ministeriums wurde klargestellt, dass die Entschädigung des § 56 IfSG auf Fälle von Quarantäne und Tätigkeitsverbot bezogen sei.

Der Landesinnungsverband fordert die Betriebe daher nachdrücklich auf, sich anhand der bereits veröffentlichten Informationen und Unterlagen aktiv auf das mögliche Schließen des Salons vorzubereiten, sei es nun freiwillig oder von oben verfügt. Stand 17. März, 12 Uhr dürfen Friseursalons mit folgenden Einschränkungen geöffnet sein: Der Abstand zwischen den Kunden muss mindestens 1,5 Meter betragen und insgesamt dürfen sich nicht mehr als 10 Personen im Wartebereich aufhalten.

Corona: Friseurhandwerk stark getroffen – Stand: Sonntag, 15. März 2020 21:30 Uhr

Es ist deutlich, dass durch die zunehmende Ausbreitung des Corona-Virus Covid-19 die bayerischen Friseure einen empfindlichen Umsatzrückgang zu verzeichnen haben. „Wir beobachten die Entwicklung mit Sorge“, so Landesinnungsmeister Christian Kaiser. Im Moment führt der Zentralverband eine Umfrage bei den Betrieben durch. 

„Bisherige Stichproben haben gezeigt, dass einzelne Betriebe einen Umsatzeinbruch von 30 Prozent und mehr zu verzeichnen haben“, so Kaiser weiter. Die Bevölkerung ist stark verunsichert. Dies schlägt sich auch in vermehrten Terminabsagen und weniger Laufkundschaft bei den Friseursalons nieder.

Die Ausbreitung von Corona muss gestoppt werden.

Die Ausbreitung von Corona muss gestoppt werden.

Minütlich überschlagen sich die Ereignisse: 

Hier der Stand von Sonntag, 15. März 2020, 21:30 Uhr: Es ist wohl zu erwarten, dass die Staatsregierung das öffentliche Leben weiter einschränken wird. Am Montag, 16. März 2020 wird es dazu eine Pressekonferenz des Ministerpräsidenten geben. Es wird erwartet, dass Schwimmbäder, Bars, Clubs oder Kinos ab Dienstag schließen müssen. Ab Mittwoch sollen dann Restaurants und Geschäfte ihre Öffnungszeiten einschränken. Ob dazu auch Friseurgeschäfte zählen werden, ist bis dato nicht bekannt, aber es ist davon auszugehen. Sobald dem LIV hier Erkenntnisse vorliegen, werden wir sie kommunizieren. 

Das Robert-Koch-Institut meldet inzwischen einen starken Anstieg der Infektionen mit dem Corona-Virus. Nach Angaben der Virologen gibt es in Deutschland mehr als 4.800 bestätigte Fälle – etwa 1.000 mehr als Samstag. Im Moment gibt es zwölf Todesfälle, vier davon in Bayern.

Ab Montagmorgen um 8 Uhr sollen über die Übergänge zu Frankreich, Österreich, Luxemburg, zur Schweiz und nach Dänemark nur mit besonderem Grund gereist werden, bestätigte Bundesinnenminister Horst Seehofer. Dänemark, Polen, Tschechien, die Slowakei, Österreich – viele europäische Länder haben sich im Kampf gegen das Coronavirus bereits weitgehend abgeschottet. Deutsche Staatsbürger dürften aus den Nachbarländern selbstverständlich einreisen. Berufspendler sollen einen Passierschein vom Land und Arbeitgeber bekommen. Woher dieser Passierschein stammt und wer ihn in welcher Form ausstellt, steht im Moment nicht fest. Für Bayern trifft die Aktion die Grenze nach Tschechien, Österreich und die Schweiz.

 

Ab Montag stellt der LIV weitere Informationen für die Mitgliedsbetriebe zur Verfügung. Hinweise zu den arbeitsrechtlichen Folgen einer Pandemie gibt es bereits im internen Bereich.

 

Informationen zum Coronavirus

SARS-Coronavirus (Coronaviren). Transmissions-Elektronenmikroskopie, Negativkontrastierung. Maßstab = 100 nm. Hans R. Gelderblom, Freya Kaulbars (2004).

Kaum ein Thema beherrscht derzeit die Medien und persönliche Gespräche so sehr wie das neuartige Coronavirus. Wir wollen uns nicht an Spekulationen beteiligen, ob es zu einer Pandemie kommen wird oder nicht. Eine Branche, in der tagtäglich mit und an Menschen gearbeitet wird, sollte sich aber damit auseinandersetzen, was jeder einzelne tun kann, um sich selbst vor Corona zu schützen und die weitere Ausbreitung zu verhindern. Für unsere Mitglieder bieten wir daher im internen Bereich folgende Unterlagen zum Download an:

  • Antworten auf häufig gestellte Fragen zum neuartigen Coronavirus
  • Eine Bewertung der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln unseres Kooperationspartners Lysoform
  • Desinfektionsplan für Friseursalons
  • Bestellformular für Desinfektionsmittel
  • Hinweise für die arbeitsrechtlichen Folgen einer Pandemie

Die Beschäftigung mit dem Thema Desinfektion im Friseursalon ist im übrigen nie verkehrt, denn auch Influenza, Noro und Co. können einem das Leben schwer machen.

Betriebe müssen Betreuung nachweisen

27 600 Betriebe sind von der BGW aufgefordert, einen Nachweis der betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung zu liefern.

 

Gut 27 600 Betriebe wurden von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) in den vergangenen Tagen angeschrieben und aufgefordert, einen Nachweis für ihre betriebsärztliche und sicherheitstechnische (BuS)Betreuung zu liefern. Versendet wurden die Briefe an Unternehmen, deren BuS-Betreuung der BGW nicht bekannt ist oder deren BuS-Betreuung nicht mehr aktuell ist.

Jedes Unternehmen, das Personal beschäftigt, muss sich beim Arbeits- und Gesundheitsschutz von einem Betriebsarzt oder einer Betriebsärztin und einer Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten und unterstützen lassen. Dabei stehen verschiedene Betreuungsformen zur Auswahl. Der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks (LIV) bietet als Kooperationspartner der BGW für Friseur- und Kosmetiksalons die so genannten alternative bedarfsorientierte Betreuung an. Die Schulungstermine 2019 sind hier zu finden. Die Schulungen werden von den Innungen vor Ort organisiert, die Anmeldung erfolgt direkt bei der jeweiligen Innung. Teilnehmen können auch Betriebe, die nicht Mitglied der Innung sind. Weitere Informationen zur alternativen Betreuung gibt es auf der Webseite der BGW.

Innungsbetriebe, die bereits bei der vom Verband angebotenen alternativen Betreuung dabei sind und Fragen zum Ausfüllen des Nachweisbogens haben, finden Hilfe im passwortgeschützten Mitgliederbereich oder können sich per Mail an den Landesinnungsverband wenden.

Seminar zur Gefährdungsbeurteilung

Im Seminar wird die Gefährdungsbeurteilung individuell erarbeitet.

Sie haben noch keine Gefährdungsbeurteilung für Ihren Betrieb? Unterstützung beim Erstellen der Gefährdungsbeurteilung erfahren Innungsmitglieder durch den Landesinnungsverband (LIV). Der LIV bietet ein 3-stündiges Seminar zum Erstellen einer Gefährdungsbeurteilung an. Im Seminar werden die Teilnehmer durch das Online-Tool der Berufsgenossenschaft gelotst und erhalten bei Bedarf Erklärungen und Hilfestellungen. Nach dem Seminar hat jeder Teilnehmer eine für seinen Salon passende Gefährdungsbeurteilung und erfüllt damit die gesetzliche Auflage. Außerdem gibt es Informationen zum geänderten Mutterschutzgesetz und den besonderen Anforderungen an die Gefährdungsbeurteilung im Hinblick auf werdende Mütter. Seit 1. Januar 2019 drohen den Betrieben Bußgelder, wenn sie keine schwangerschaftsspezifische Gefährdungsbeurteilung vorweisen können. Das gilt im Übrigen unabhängig davon, ob eine Schwangere beschäftigt wird oder nicht und selbst für Betriebe, in denen alle Mitarbeiter männlich sind. In der Gefährdungsbeurteilung werden bereits die notwendigen Maßnahmen festgelegt, wenn eine Mitarbeiterin schwanger wird. Sie ist daher eine wichtige Grundlage für ein im Einzelfall gegebenenfalls erforderliches Beschäftigungsverbot.

Für das Seminar am Montag, 11. März in Nürnberg sind noch wenige Restplätze frei. Die nächsten Termine sind am 29. April in Nürnberg und am 13. Mai in Fürstenfeldbruck. Weitere Informationen und das Anmeldeformular gibt es hier.

BGW warnt vor irreführenden Verkaufsanrufen

Die BGW bietet viel Medien zum Arbeitsschutz kostenfrei an, die im Betrieb vorhanden sein müssen.

Aus aktuellem Anlass rät die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) zur Vorsicht bei merkwürdigen Verkaufsanrufen im Namen einer „Abteilung Arbeitsschutz der Berufsgenossenschaft“. Ihr sind jüngst mehrere solche Telefonate aus Mitgliedsbetrieben gemeldet worden, unter anderem aus Friseursalons.

Die anrufende Person habe unter Bezugnahme auf einen angeblichen Brief und Hinweis auf angebliche Arbeitsschutzmängel versucht, Arbeitsschutzprodukte zu verkaufen und an betriebliche Kontodaten zu gelangen. Die BGW weist darauf hin, dass sie mit derartigen Anrufen nichts zu tun hat.

Medien kostenfrei bestellen
Weiter informiert die BGW, dass sie viele Medien zum Arbeitsschutz, die im Betrieb vorhanden sein müssen und oft kommerziell angeboten werden, kostenfrei an ihre Mitgliedsunternehmen abgibt. Dazu zählen unter anderem folgende Medien:
· Verbandbuch (Bestellnummer BGW 09-17-000),
· Plakat „Brände verhüten – Verhalten im Brandfall“ (Bestellnummer BGW 22-00-012) und
· Anleitung zur Ersten Hilfe – wahlweise als Plakat (Bestellnummer DGUV-Information 204-001) oder Heft (Bestellnummer DGUV Information 204-006).

Bestellt werden können die Materialien über die Internetseite www.bgw-online.de. Dort sind sie leicht zu finden, wenn als Suchstichwort die jeweilige Bestellnummer eingegeben wird.

Nicht sofort kaufen
Betrieben, denen telefonisch kostenpflichtige Arbeitsschutzprodukte angeboten werden, empfiehlt die BGW: Nicht sofort kaufen, sondern erst in Ruhe überlegen, was wirklich benötigt wird. Dabei helfen der Betriebsarzt oder die Betriebsärztin und die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Informationen gibt auch die BGW – unter www.bgw-online.de oder über ihre regionalen Präventionsdienste.

Wie Friseure gegen Rückenschmerzen vorbeugen können

Drei Viertel aller Berufstätigen leiden zumindest zeitweise unter Rückenschmerzen. Das geht aus dem Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK hervor. Demnach traf das 2003 erst auf 55 Prozent zu. Der Studie zufolge sind Rückenschmerzen der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen. Bezogen auf die erwerbstätige Bevölkerung führte dies im vergangenen Jahr zu insgesamt 35 Millionen Fehltagen.

Rückenerkrankungen lassen sich vorbeugen. Foto: Sebastian Kaulitzki - Fotolia

Rückenerkrankungen lassen sich vorbeugen. Foto: Sebastian Kaulitzki – Fotolia

Um Rückenproblemen und anderen Schwierigkeiten mit dem Muskel- und Skelettsystem im Friseurhandwerk vorzubeugen, setzt der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks auf Aufklärung. Rudolf Reisbeck, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit, weist auf die umfangreichen Aktionen im Friseurhandwerk hin. „Wir haben mit unseren Partnern bei den Versicherungen vielfältige präventive Maßnahmen erarbeitet, so dass es nicht zu einer Erkrankung kommen muss.“ Vor allem die neuen Lehrlinge im Friseurhandwerk sollten die Ratschläge von Anfang an berücksichtigen.
Die Maßnahmen zur Haltungsverbesserung und Bewegungsschulung beugen Rückenbeschwerden vor, die sonst durch die Tätigkeit entstehen können. „Eine Arbeitsplatzanalyse bringt die Ursachen von Erkrankungen an den Tag. Dann reichen oft schon wenige Maßnahmen, um Rückenschmerzen zu vermeiden. Eine kräftige Muskulatur – auch der Bauchmuskeln – ist wichtig für die Bandscheibe der Friseure und stabilisiert die Wirbelsäule. Ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz sowie das bewusste Verhalten am Arbeitsplatz spielen eine wichtige Rolle“, so Rudolf Reisbeck. Ausdrücklich verweist Reisbeck auf die Aktion der AOK „Gesunder Rücken im Friseurhandwerk“.
Der Friseurberuf ist gekennzeichnet durch überwiegend stehende Tätigkeiten in Verbindung mit einseitigen Belastungen des Muskel- und Skelettsystems. Steh- bzw. Sitzhilfen können Abhilfe schaffen. Problematisch können die vergleichsweise gering Bewegungsvariation sein und ungünstige Körperhaltungen wie z.B. das ständige Arbeiten mit hochgehaltenen Armen. „Daher müssen Friseure vorbeugen und sich fit halten“, so Reisbeck. Viele Krankenkassen bieten für Berufsschulen, Innungen und Betriebe Vorträge zur Rückengesundheit an.
Auch die Berufsgenossenschaft BGW als Partner des bayerischen Friseurhandwerks hält zahlreiche Materialien bereit. „Ein gesunder Rücken ist ein starker Rücken, mit ausreichend trainierten Muskeln für Belastbarkeit und eine aufrechte Haltung. Wenn der Rücken fit ist, geht vieles leichter“, so Rudolf Reisbeck weiter. „Rechtzeitig vorbeugen ist dabei immer die bessere Variante: Auch wenn Wirbelsäulenerkrankungen häufig erst nach vielen Berufsjahren auftreten, sollten Sie von Anfang an im Berufsleben auf Ihren Rücken achten.“