Corona-Virus: Handlungsempfehlungen in und nach der Krise

Die Corona-Krise lehrt uns, dass wir noch mehr als bisher klare Regeln im Salon mit den Mitarbeitern und im Umgang mit den Kunden brauchen. Der LIV hat sich bei Mitgliedsbetrieben umgehört. Wir haben Anregungen gesammelt und als Handlungsempfehlungen für bayerische Salons aufbereitet. Diese gelten nicht nur für Corona, sondern auch für andere ansteckende Krankheiten wie Noro. Überprüfen Sie bitte, ob die eine oder andere praktische Handlungsempfehlung für Sie umsetzbar ist.

 

Gegenüber dem Kunden: 

Verzichtet Sie auf den nett gemeinten Handschlag und die freundliche Umarmung bei der Begrüßung. Dafür empfangen Sie Ihre Kunden sehr gerne im Salon mit einem netten Lächeln und weisen auch darauf hin.

Händewaschen ist auch für den Kunden unverzichtbar. Bitten Sie die Kunden, die Toilette zu besuchen und sich die Hände zu waschen. Weisen Sie auch auf den Desinfektionsspender hin. 

Klare, aber freundliche Nachfrage an den Kunden. Wenn sich der Kunde vor Kurzem in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder körperlichen Kontakt zu infizierten Personen hatte, bitten Sie ihn freundlich den Termin vorerst zu stornieren. Vereinbaren Sie einen späteren Termin mit ihm. 

Klare Botschaft an der Eingangstür und der Website des Salons nach dem Motto: „Bitte tun Sie uns den Gefallen, und bleiben Sie zu Hause, wenn Sie grippeähnliche Symptome haben. Kommen Sie nicht krank zu Ihrem Friseurtermin. Seien Sie bitte nicht leichtsinnig, denn es geht um unser aller Gesundheit! Sagen Sie im Zweifel Ihren Termin bitte lieber rechtzeitig ab!“

Bei der Terminvereinbarung bitten Sie im Interesse aller Kunden und Mitarbeiter, möglichst keine zusätzlichen Begleitpersonen mitzubringen. „Kommen Sie wenn möglich allein.“

Überprüfen Sie Ihr Angebot an Friseurdienstleistungen. Vielleicht schneiden Sie bis auf Weiteres keine Bärte mehr und verzichten aufs Rasieren sowie auf kosmetische Behandlungen, wie Wimpernfarbe und Augenbrauen zupfen. Streichen Sie Trockenhaarschnitte aus Ihrem Angebot. 

Bitten Sie Ihre Kunden um feste Terminvereinbarungen und bitten Sie Ihre Kunden pünktlich, aber max. 15 Minuten vor dem Termin zu erscheinen. Damit können Sie einen Stau im Salon vermeiden. 

Kunden hängen bitte ihre Jacken selbstständig in die Garderobe und nehmen diese auch selbstständig wieder ab.

 

Empfehlungen für den Salon und die Mitarbeiter

Reduzieren Sie Ihren Wartebereich. Ordnen Sie Stühle so an, dass der empfohlene Abstand von 1,5 bis 2 Metern eingehalten wird.

Bestellen Sie Desinfektionsmittel. Auch wenn es jetzt nur eingeschränkt lieferbar ist, sind Sie dann bei der Lieferung vorne mit dabei. Die Firmen produzieren auf Hochtouren. 

Erstellen Sie für Ihren Salon einen verbindlichen Hygiene- und Desinfektionsplan und schulen Sie Ihre Mitarbeiter entsprechend.

Reinigen und desinfizieren Sie nicht nur Kämme, Werkzeuge und Maschinen, sondern auch die Ablageflächen, Nackenauflagen am Waschbecken usw.

Suchen Sie das Gespräch mit Mitarbeitern, die einer Risikogruppe angehören, um eine für sie passende, flexible Lösung zu erarbeiten. 

Führen Sie reduzierte Arbeitszeiten in besonders ansteckungskritischen Zeiten ein, um ausreichend Zeit für Desinfektion und Reinigung zu haben.

Vermeiden Sie gemeinsame Pausen der Mitarbeiter.

Bei Teambesprechungen muss auch der empfohlene Abstand von 1,5 bis 2 Metern eingehalten werden.

 

Corona-Virus: Soforthilfeprogramm kann jetzt beantragt werden

Wirtschaftsminister Aiwanger mit dem Antrag auf Soforthilfe bei der Pressekonferenz am Dienstag, 17. März 2020.

Wirtschaftsminister Aiwanger mit dem Antrag auf Soforthilfe bei der Pressekonferenz am Dienstag, 17. März 2020.

Der Freistaat Bayern hat auf die Sorge vieler Selbstständiger reagiert. Ab sofort stehen die Anträge für die beschlossene Soforthilfe zum Download bereit. Das Soforthilfeprogramm richtet sich an Betriebe, die von der Corona-Krise besonders geschädigt wurden.

Seit heute können sich Kleinunternehmer mit einem „einfachen Formular“ (Söder) an die Behörden wenden, um Soforthilfe zu beantragen. Die Soforthilfe ist gestaffelt nach Betriebsgröße und beträgt zwischen 5.000 Euro und 30.000 Euro.

Anträge können von gewerblichen Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern mit einer Betriebsstätte in Bayern gestellt werden.

„Geschenk ist es nicht, es ist Unterstützung“, sagte Söder, vergleichbar mit den Soforthilfen, die Bayern bei den Flut- und Hochwasserschäden gewährte. Betroffene, denen die Pleite droht, müssten nun nachweisen, „dass es wegen Corona ist“, so Söder weiter.

Der Förderantrag ist als Download auf der Website des Bayerischen Wirtschaftsministeriums sowie auf den Websites der sieben Bezirksregierungen und der Stadt München (= Bewilligungs- und Vollzugsbehörden) abrufbar und online ausfüllbar. Der Link zum Download ist hier

Natürlich gilt: Wer Geld auf der hohen Kante hat, Sparverträge oder ein Aktiendepot besitzt, der muss diese Finanzen erst aufbrauchen, bevor er die Soforthilfe aus dem Härtefall-Fonds Corona beantragen kann. Ist der Betrieb berechtigt, werden die ersten Gelder laut Söder bis Freitag fließen. 

Corona-Virus: Kein Entschädigungsanspruch bei genereller Schließung

 

SARS-Coronavirus-2 (Quelle: Tobias Hoffmann, Michael Laue, Robert Koch-Institut (RKI), 2020.

SARS-Coronavirus-2 (Quelle: Tobias Hoffmann, Michael Laue, Robert Koch-Institut (RKI), 2020.

Keinen Erstattungsanspruch sieht das Infektionsschutzgesetz (IfSG) derzeit vor, wenn eine generelle Schließung aller Friseursalons angeordnet wird. Dies hat die Nachfrage des Landesinnungsverbandes beim Bayerischen Gesundheitsministerium ergeben. Vor allem in den sozialen Netzwerken hält sich hartnäckig das Gerücht, eine Zwangsschließung sei mit einer Entschädigung verbunden. Seitens des Ministeriums wurde klargestellt, dass die Entschädigung des § 56 IfSG auf Fälle von Quarantäne und Tätigkeitsverbot bezogen sei.

Der Landesinnungsverband fordert die Betriebe daher nachdrücklich auf, sich anhand der bereits veröffentlichten Informationen und Unterlagen aktiv auf das mögliche Schließen des Salons vorzubereiten, sei es nun freiwillig oder von oben verfügt. Stand 17. März, 12 Uhr dürfen Friseursalons mit folgenden Einschränkungen geöffnet sein: Der Abstand zwischen den Kunden muss mindestens 1,5 Meter betragen und insgesamt dürfen sich nicht mehr als 10 Personen im Wartebereich aufhalten.

Corona-Virus: Verbessertes Kurzarbeitergeld rückwirkend ab 1. März

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.  Foto: Bay. Wirtschaftsministerium

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Foto: Bay. Wirtschaftsministerium

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat in der heutigen Pressekonferenz (17. März 2020) soeben angekündigt, dass das verbesserte Kurzarbeitergeld bereits rückwirkend ab 1. März gilt. Damit erhält der Arbeitgeber bei Kurzarbeit 100 Prozent der Sozialversicherungsabgaben erstattet. Bisher war diese Regelung erst ab 1. April vorgesehen. Gerade für das personalintensive Friseurhandwerk stellt dies eine spürbare Entlastung der Arbeitgeber dar. Infos über das Kurzarbeitergeld gilbt es beim LIV hier.

Corona-Virus: Checkliste wenn der Salon schließt …

Ein paar Hinweise, wenn sich der Friseurunternehmer entschließt, seinen Salon in der Krise zu schließen.

Ein paar Hinweise, wenn sich der Friseurunternehmer entschließt, seinen Salon in der Krise zu schließen.

Wenn sich der Friseurunternehmer entschließt, seinen Friseursalon im Zuge der Corona-Krise zu schließen, hat der Landesinnungsverband eine Checkliste für Saloninhaber zusammengestellt. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 

 

Informieren Sie Ihre Kunden

Der Kunde ist das wichtigste Kapital und der Kunde sollte im Falle einer Schließung nicht überrascht vor verschlossenen Türen stehen. Daher kommunizieren Sie Ihre unternehmerische Entscheidung an den Kunden und bitten Sie um Verständnis. 

 

Aktualisieren Sie Ihre Website

Natürlich schaut eine digitale Generation auf die Website Ihres Salons. Aktualisieren Sie Ihre Website und weisen Sie auf die Schließung hin. 

 

Machen Sie an der Salontür einen Aushang

Ein Schild an der Tür, das Ihre Kunden von der Schließung informiert, sorgt für Klarheit und sollte eine Selbstverständlichkeit sein. 

 

Nutzen Sie das Kurzarbeitergeld

Friseurbetriebe haben die Möglichkeit in der Corona-Krise bei ihrer zuständigen Arbeitsagentur Kurzarbeit zu beantragen. Das ist unkompliziert durch Ausfüllen eines entsprechenden Antrags möglich. Mitarbeiter erhalten dann Kurzarbeitergeld. Ein genaues Vorgehen gibt es für Mitgliedsbetriebe hier

 

Reduzieren Sie die Überstunden der Mitarbeiter

Mancher Mitarbeiter hat im Laufe des Jahres Überstunden angehäuft. Suchen Sie das Gespräch mit dem Mitarbeiter und reduzieren Sie die Überstunden. 

 

Gewähren Sie Urlaubstage

Wenn ein Mitarbeiter Sie um Urlaub bittet, dann gewähren Sie auch kurzfristig Urlaubstage. Manche Mitarbeiter müssen sich um ihre Familie kümmern, ihre Eltern oder ihre Kinder betreuen. 

 

Bieten Sie Ihren Mitarbeitern unbezahlten Urlaub an

Kommunikation mit Mitarbeiter ist in Krisenzeiten besonders wichtig. Sprechen Sie offen mit Ihren Mitarbeitern über die wirtschaftliche Situation. Bieten Sie Ihren Mitarbeitern unbezahlten Urlaub an. 

 

Denken Sie über kurzfristigen Betriebsurlaub nach

Normalerweise muss ein Betriebsurlaub vorher angekündigt werden, aber in Zeiten der Krise ist vieles möglich. Denken Sie daher auch über kurzfristigen Betriebsurlaub nach. 

 

Überprüfen Sie Ihre betrieblichen Kosten

Auch kleine Beträge können sich summieren. Was ist in dieser Situation notwendig, was kann gestrichen werden? 

 

Prüfen Sie Ihre Fälligkeiten bei den Lieferanten

Haben Sie die Kosten im Auge, wann bei Ihren Lieferanten Forderungen anfallen und sprechen Sie mit Ihnen, ob eine Stundung möglich ist. 

 

Prüfen Sie Ihren Kontostand

Sprechen Sie mit Ihrem Kreditinstitut und nutzen Sie die Angebote der KFW und LfA-Förderbank Bayern. Der erste Weg sollte aber zu Ihrem Kreditinstitut führen.  

 

Sprechen Sie offen mit Ihrem Vermieter

Wenn das Gebäude in dem Sie Ihren Salon haben, nicht Ihr Eigentum ist, sondern wenn Sie Mieter sind, dann nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Vermieter auf. Sprechen Sie offen über Ihre Situation, ob ein Aufschub Ihrer Miete möglich ist.

 

Um Liquidität zu behalten, prüfen Sie alle anstehenden Investitionen

Um auf dem neuesten Stand zu bleiben, sind selbstverständlich Investitionen in den Salon wichtig. Doch lassen sich diese Investitionen nicht auf später verschieben? 

 

Beantragen Sie eine Steuerstundung bei Ihrem Finanzamt

Die bayerische Staatsregierung hat erklärt, dass Finanzämter großzügiger bei der Erhebung von Steuer sein werden. Beantragen Sie daher bei Ihrem Finanzamt in Absprache mit Ihrem Steuerberater eine Steuerstundung. Ebenso verhält es sich mit der Gewerbesteuer. 

 

Corona-Chaos – offenes Wort des Landesinnungsmeisters

Landesinnungsmeister Christian Kaiser ist auch Obermeister der Friseurinnung München. Dort gab er folgendes Statement ab. Wir veröffentlichen es zeitlich angepasst:

Landesinnungsmeister Christian Kaiser.

Landesinnungsmeister Christian Kaiser.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

diese außergewöhnlich schwierigen Zeiten sind für uns alle eine Bewährungsprobe und nicht jede Entscheidung seitens der Regierung ist für uns einfach zu tragen. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Innung München für Friseure und Kosmetiker, wie auch der Landesinnungsverband des bayrischen Friseurhandwerks keinen Einfluss auf Entscheidungen der Regierung hatten.
Der Verband versteht sich als Interessenvertretung seiner Mitglieder und ist somit bemüht, ein Sprachrohr zwischen den Entscheidungsträgern des Landes und den Friseurbetrieben zu sein. Als Sprachrohr geben wir möglichst zeitnah (wie geschehen) Informationen weiter. Leider sind manche Grenzen in diesen turbulenten Zeiten nicht immer sofort und genau abzustecken. Dadurch kam es auch zu einigem Wirrwarr.
Die unternehmerische Entscheidungsfreiheit liegt im Moment bei Ihnen. Sie als Saloninhaber entscheiden selbst, ob Sie Ihren Salon schließen oder nicht.

Die teilweise bösartigen Beschimpfungen, die sich die Mitarbeiter in den Geschäftsstellen anhören mussten, sind daher nicht tragbar.
Ich verstehe Ihre Einwände, den wirtschaftlichen Schaden bei einer Schließung zu bedenken. Ich verstehe aber auch die gesundheitlichen Aspekte, die eine weitere Ausbreitung des Virus mit sich bringt. Beide Szenarien sind in Ihren Auswirkungen für den einzelnen aber auch für die gesamte Weltwirtschaft kaum abschätzbar.

Daher appelliere ich an Sie: Wir sitzen alle in einem Boot! Das Kosmetikstudio, der kleine Friseurbetrieb mit 1-2 Angestellten wie auch der große Betrieb oder Filialen mit 10 und mehr Angestellten.
Die Innung, wie auch der Landesverband sind bemüht, Ihnen schnellstmöglich aktuelle Entscheidungen mitzuteilen. Des weiteren sehen wir unsere Aufgabe in der Aufklärung der rechtlichen Sachlage und der Weitergabe an Informationen wie wir uns im Falle einer vorgeschriebenen Schließung verhalten können und müssen. Unabhängig von der aktuellen Sachlage sollte sich ein Jeder auf weitere politische Maßnahmen wie der gegebenenfalls drohenden Schließung von Betrieben vorbereiten.

Mit der heutigen Pressekonferenz von Ministerpräsident Markus Söder um 12 Uhr erwarten wir neue Informationen.

Bleiben Sie Gesund. Herzlichst grüßend

Ihr Christian Kaiser
Obermeister und Landesinnungsmeister Bayern

Corona-Virus: Aktuelles Videostatement des LIV

Die Corona-Krise trifft das bayerische Friseurhandwerk empfindlich. Am Montag, 16. März 2020, überschlugen sich die Ereignisse. Landesinnungsmeister Christian Kaiser und LIV-Geschäftsführerin Doris Ortlieb nehmen zu den aktuellen Entwicklungen Stellung.