Vereinigung der bayerischen Wirtschaft verhindert verbindliche Ausbildungsvergütungen für Friseure

Mit völligem Unverständnis reagieren die bayerischen Friseure auf eine Entscheidung im Tarifausschuss des bayerischen Arbeits- und Sozialministeriums, bei der die branchenfremden Arbeitgebervertreter eine verbindliche Regelung der Ausbildungsvergütung für die knapp 4.000 Friseurazubis in Bayern abgelehnt haben.

Der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks und die Gewerkschaft ver.di haben im Frühjahr einen Tarifvertrag über die Ausbildungsvergütungen abgeschlossen. Dieser Tarifvertrag sollte jetzt durch den Tarifausschuss für allgemeinverbindlich erklärt werden und damit für alle Friseurauszubildenden in Bayern gelten. Das ist im Moment vom Tisch. Damit verhindert die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) flächendeckend bessere Ausbildungsvergütungen im Friseurhandwerk.

Die Vertreter der vbw im Tarifausschuss des Arbeitsministeriums ignorierten damit den Willen der Arbeitgeber und Beschäftigten im Friseurhandwerk und stimmten gegen den gemeinsamen Antrag von Landesinnungsverband und Gewerkschaft. Der Tarifausschuss ist paritätisch von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite besetzt. Die Arbeitnehmerseite hat den Antrag auf die Allgemeinverbindlichkeit unterstützt. Die Reaktionen von Landesinnungsverband und Gewerkschaft sind eindeutig.

„Es ist ein Skandal und menschenverachtend, dass die Vertreter der Wirtschaft Dumping und Verschlechterung der Ausbildung unterstützen und rechtlich legitimieren“, so Kai Winkler, Vertreter der Gewerkschaft ver.di.

„Gute Ausbildungsvergütungen, so wie wir sie im Tarifvertrag vereinbart haben, sind auch der Schlüssel für eine hochwertige Ausbildung im Friseurhandwerk. Die Entscheidung des Tarifausschusses ist für uns völlig unverständlich“ betont Christian Kaiser, Landesinnungsmeister des bayerischen Friseurhandwerks.

Jetzt prüfen Landesinnungsverband und Gewerkschaft das weitere Vorgehen.

Entgelt-Tarifvertrag ist allgemeinverbindlich

Für allgemeinverbindlich erklärt wurde der Entgelt-Tarifvertrag für das bayerische Friseurhandwerk. Der Tarifausschuss beim bayerischen Arbeitsministerium folgte damit dem gemeinsamen Antrag des Landesinnungsverbandes und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.

In ihrem Antrag hatten die Tarifpartner das öffentliche Interesse an einem allgemeinverbindlichen Entgelt-Tarifvertrag im bayerischen Friseurhandwerk dargelegt. Außerdem führte der Landesinnungsverband den Nachweis, dass die Innungsbetriebe mehr als die Hälfte der über 37000 Mitarbeiter im bayerischen Friseurhandwerk beschäftigen. „Durch die Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrages ist sichergestellt, dass wir in Bayern einheitliche tarifliche Lohnuntergrenzen haben“, begrüßt Landesinnungsmeister Christian Kaiser die Entscheidung des Tarifausschusses. „Damit setzen wir unsere erfolgreiche Tarifpolitik der vergangenen Jahrzehnte fort“, so Kaiser weiter.

Der tarifliche Einstiegslohn für Gesellen liegt bei 8,83 Euro pro Stunde. Erste Kräfte verdienen im Ecklohn 12,08 Euro. Für angestellte Betriebsleiter und Ausbilder sieht der Tarifvertrag einen Stundenlohn ab 13,83 Euro vor. Die bisherige Lohngruppe Ia für ungelernte Kräfte wurde gestrichen. Mit dem gesetzlichen Mindestlohn gilt seit 1. Januar 2015 eine verbindliche Lohnuntergrenze für Ungelernte. Festgeschrieben wurde für diese Mitarbeitergruppe ein Anspruch auf Höhergruppierung nach einschlägiger Berufstätigkeit. Die Allgemeinverbindlichkeit gilt rückwirkend ab 1. November 2015, für § 2 Ziff. 2 ab 1. Mai 2016.

Das bayerische Friseurhandwerk beschäftigt über 37000 Mitarbeiter und bildet 3768 junge Menschen zu Friseurinnen und Friseuren aus (Stichtag 31.12.2015). Die erste Lohnvereinbarung für die Beschäftigten wurde 1949 zwischen dem Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks und der Gewerkschaft ÖTV getroffen. Seit 1992 sind die Entgelt-Tarifverträge durchgehend für allgemeinverbindlich erklärt worden.

Innungsmitglieder haben den Tarifvertrag bereits im Februar mit der LIV direkt erhalten. Nichtmitglieder können ihn hier bestellen.

Tarifentgelte für Friseure steigen zum 1. Mai 2016

Mehr Geld gibt es für die Mitarbeiter im bayerischen Friseurhandwerk ab 1. Mai 2016. Zwischen 2,3 und 3 Prozent werden die Stundenlöhne angehoben. Das Einstiegsgehalt unmittelbar nach der Gesellenprüfung liegt dann bei knapp 1500 Euro. Für erste Kräfte beträgt das tarifliche Mindestentgelt über 2000 Euro. Der Tarifvertrag ist ab sofort für alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer verfügbar, die unter den Geltungsbereich des Vertrages fallen. Er kann mit diesem Formular beim Landesinnungsverband bestellt werden. Anfang Juni wird dann vom Tarifausschuss beim bayerischen Arbeitsministerium entschieden, ob der Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt wird. Die Erklärung kann rückwirkend erfolgen.

Innungsmitgliedern wurde ihr persönliches Exemplar des Tarifvertrages bereits im Februar mit der LIV direkt zugeschickt.