HAARE 2014: Von „neue Mittelklasse“ bis „romantische Revolution“

Creativdirektor Dieter Schöllhorn im Interview

Creativdirektor Dieter Schöllhorn im Interview

Sind Sie eher eine Vertreterin der Klassischen Moderne, fällt Ihre Wahl auf die neue Mittelklasse oder entscheiden Sie sich dieses Jahr für eine romantische Revolution auf dem Kopf? Und was trägt der Mann von heute? Eher High-end im Stile der Comic-Helden oder Chaos Deluxe in der Variante Stormy Dandy? Welche Frisuren in den Salons zu den absoluten Must-haves der Saison zählen, das präsentiert die Branche am 19. und 20. Oktober in Halle 12 des Messezentrums Nürnberg auf der diesjährigen HAARE, Fachmesse für Friseure, Kosmetiker und Nail Designer und Bayerische Meisterschaft der Friseure. Welche Schnitte in diesem Herbst bei Damen und Herren im Trend liegen und was in Sachen Make-up angesagt ist, hat uns Dieter Schöllhorn, der Creativdirektor des bayerischen Friseurverbandes, bereits vorab verraten.

Klassische Moderne: Upgrade your Bubikopf!

„Expressiv und subtil punkig: Der Bubikopf erfährt heute ein innovatives Upgrade! Einst läutete die Frisur mit kurzer, grafischer Kontur die Moderne ein. Kennzeichen für die aktuelle Version sind eine konsequent asymmetrisch geschnittene Ponypartie sowie eine ausgeklügelte Färbetechnik mit sinnlichem Farbenspiel. Trotz harter Konturen wirkt der Look so weich und feminin zugleich.“

Neue Mittelklasse: Länger als Pixie, kürzer als Bob

„Die In-Between-Cuts verschließen sich mit dynamischen Stufen und sehr vollen Texturen der Zuordnung. In-Between heißt: Irgendwo zwischen kurz und halblang. Die Farbe unterstützt auch hier den Schnitt, spielt mit vielen Schattierungen und bleibt ebenfalls in-between. Die Frisur ist zwar länger als ein Pixie, aber kürzer als ein Bob. Ein wirklich cooler Schnitt mit viel Struktur und unzähligen Stylingvarianten! Prominente Trägerinnen des In-Between-Cuts sind die Schauspielerinnen Michelle Williams und Charlize Theron.“

Lob und Clavi-Cut: Long Bob umspielt Schlüsselbein

„Das Fundament dieses Cuts ist der Bob in seiner längeren Version, daher ‚Lob‘ genannt. Den Schnitt prägen eine kompakte, weich gehaltene Grundlinie und die insgesamt gerade Form. Da der Bezugspunkt für die Länge das Schlüsselbein ist – lateinisch ‚clavicula‘ – wird er zudem als Clavi-Cut bezeichnet. Matte, warme Farben unterstreichen den Look. Die Ansätze des für diesen Look besonders passenden Gold-Mittelblonds werden bewusst dunkler gehalten. Das Styling bietet viel Spielraum: Von pur und glatt bis rockig und wellig. ‚Bangs and Waves‘ ist die Devise, ganz im Stile der Brit-Ikonen Alexa Chung und Suki Waterhouse. Ein absoluter Laufsteg-Favorit!“

Romantische Revolution: Anna Karenina und Jane Austen lassen grüßen

„Lässig romantische Stilheldinnen von heute zitieren mit ihren Frisuren Literatur- und Filmheldinnen wie Anna Karenina und Jane Austen. Der Look erfährt einen modernen Twist durch raffinierte Schnitttechnik und das entsprechende Styling. Ein mattes Mittelbraun erhält durch eine dezent verwaschene Aufhellung der Längen einen schönen sun-kissed Effekt, der natürlich und edel anmutet. Zöpfe in gedrehter Variante, locker und mit offenen Haarpartien machen den Style perfekt. Prominente Trägerin: Schauspielerin Helena Bonham-Carter.“

High-End und Comic-Helden: Held oder Gentleman?

„Bei den Herren geht es unkonventionell, jungenhaft und ein wenig exzentrisch zu. Inspiration für diesen Schnitt liefern Comic-Helden oder amerikanische Animationsfilme wie Mr. Peabody & Sherman. Man(n) trägt dann rote Haare wie der Held Sherman! Markenzeichen der Frisur: prägnante Stirnwelle! Dieser Schnitt ist sehr wandelbar. Eine Stylingvariante ist die des Gentlemen-Looks. Der Scheitel bleibt Kernelement der Frisurenmode. Bei der gentlemanesken Variante wird er nicht zu tief und statt gerade schräg nach hinten gezogen. Eine breite Stirnpartie und eine volle, betonte Textur am Oberkopf wirken markant und innovativ.“

Chaos Deluxe und Stormy Dandy

„Wild und zufällig? So sieht dieser Schnitt vielleicht aus, doch dahinter stehen akkurate Basisarbeit und Präzision. Die Frisur lebt von einem subtilen Undercut mit klarer Grundlinie, über der weich geschnitten wird. Am Vorderkopf wird das Haar ein wenig länger und glatt getragen. Kontrast und lebendige Struktur! Prominenter Stormy Dandy: Hollywood-Schauspieler Robert Pattinson.“

Make-Up: Perfekter Wimpernaufschlag und Lippen im warmen Rotton

„Im Herbst/Winter 2014 dreht sich alles um dramatische Wimpern. Lashes sind das große Thema überhaupt, dichte volle Wimpern – oft mit Wimpernkranzverdichtung – heute ein absolutes Must-have! Das Spiel mit Licht und Schatten, Hell und Dunkel spielt beim Make-up eine zentrale Rolle. Unverzichtbar: Rote Lippen in einem warmen Rostrot!“

HAARE 2012: Vom legendären Bob bis zum futuresken Look

Dieter Schöllhorn erklärt die neuen Trends.

Dieter Schöllhorn erklärt die neuen Trends.

Aussehen wie eine Hollywood-Ikone oder doch lieber mit einem gewagten futuresken Look auffallen? Auf der HAARE 2012, Bayerische Meisterschaft der Friseure mit Fachmesse Hair, Beauty and more, informieren sich die Schönheitsexperten am 21. und 22. Oktober über die aktuellen Trends im Salon und lassen sich von wahren Meistern ihres Handwerks inspirieren. Erwartet werden dann erneut rund 100 Aussteller und 15.000 Besucher auf dem Messegelände in Nürnberg.

An welchen Frisuren man derzeit im Salon nicht vorbeikommt, hat uns vorab der Creativdirektor des bayerischen Friseurverbandes Dieter Schöllhorn verraten:

Der Short-Cut der Hollywood-Ikonen

„Absolut angesagt ist aktuell die Kurzhaarvariante mit runden Formen wie sie zum Beispiel von den Hollywood-Ikonen Carey Mulligan, Michelle Williams oder Anne Hathaway getragen wird. Hier sind die Konturen weich gestaltet und der Pony hart geschnitten. Dieser Short-Cut lebt vom Kontrast zwischen androgyn und feminin. Im Trend sind besonders Brauntöne von matt bis glänzend mit Farbspiel in den Haarspitzen.“

Futuresker Look mit asymmetrischen Formen

„Sehr beliebt und besonders ausdrucksstark sind derzeit asymmetrische Formen mit unterschiedlichen Texturen, verschiedenen Längen – zum Beispiel längeres Deckhaar und an der Seite kurz. Ein Look für Mutige: punkig und rockig. Am besten in Rot oder Braun.“

Der legendäre Bob

„Ein zeitloser Schnitt und die große Kunst: Der legendäre Bob im Stil der 60er Jahre mit viel Fülle, weich und anschmiegsam.“

Permanent Curl

„Immer en vogue ist dieser sehr feminine Look mit Locken. Er passt für alle Haarlängen, weich geschnitten und sexy in Kupfer, Goldbraun oder Karamell, glänzend und mit viel Volumen!“

Modern Dandy und Neuer Kubismus

„Die Herren präsentieren sich mit einem Schnitt im Stil des Modern Dandy oder mit einer präzisen, akkurat und kubistisch klar geschnittenen Frisur. Man(n) trägt kurze Haare, ohne Stufen oder – wie beim neuen Kubismus – einen harten, hochangesetzten sogenannten Undercut.“

Make-up: Viva la Diva und 80s Look

„Beim Make-up absolut im Trend liegt die divenhafte Inszenierung im Stil der 50er Jahre. Mit starker Lidfaltenbetonung. Denken Sie an Liz Taylor oder auch die legendäre Audrey Hepburn! Ebenso angesagt sind heute neben dem Stil der 80er auch Katzenaugen, die Cat Eyes. Letztere kommen ganz groß raus in Petrol und Smaragd.“

Zum Tode von Vidal Sassoon

Vidal Sassoon 1928 – 2012

Er revolutionierte die Frisurenmode und wurde durch seine geometrischen Haarschnitte berühmt. Wir verneigen uns vor einem ganz Großen der Friseurbranche.

Nachfolgend die offizielle Mitteilung seiner Familie:

Los Angeles 9th May 2012

It is with great sadness that we announce the passing of Vidal Sassoon CBE, who died this morning at his home in Los Angeles surrounded by loved ones.
The 84 year old hairdresser was born in 1928 and sadly lost his battle with leukaemia today. He became the most celebrated hairdresser in the world having begun his career as an apprentice during the Second World war going on to revolutionise an industry through his iconic haircuts, salons, schools and product lines.

He will be greatly missed by his wife of 20 years Ronnie, his children, grandchildren, family and friends

In lieu of flowers the family has requested that memorial donations be sent to American Friends of The Hebrew University in support of The Vidal Sassoon International Center for the Study of Anti-Semitism- 11500 W. Olympic Boulevard, Suite 512 LA CA 90064 or www.afhu.org. A service will be planned at a later date.


Und hier ein Pressespiegel zu seinem Tod:

FOCUS online
Star-Friseur Vidal Sassoon – Der Erfinder des Bobs mit 84 Jahren verstorben
Vidal Sassoon – Starfriseur im Alter von 84 Jahren gestorben
Starfriseur Vidal Sassoon – Der Erfinder des „Bob“ ist tot

Welt online
Vidal Sassoon ist tot

Stern.de
Vom Shampoo-Boy zu Mr. Bob

Sueddeutsche.de
Erfinder des Bob in Los Angeles gestorben – Starfriseur Vidal Sassoon ist tot

Noows.de
Der letzte Schnitt: Friseur-Legende Vidal Sassoon ist gestorben

Financial Times Deutschland
Vom Shampoo-Boy zum Kultfriseur

the Cut
Vidal Sassoon: A History in Haircuts

Der Tagesspiegel
Vidal Sassoon – Der Haarbefreier

Ein Blick hinter die Kulissen der Frisurenmode in Nürnberg

Foto: Trescher

Foto: Trescher

Hunderte Menschen stehen in dem Foyer der kleinen Meistersingerhalle in Nürnberg. Dunkler Steinboden und kolossale Deckenlampen schmücken die Halle in einem Stil aus den 1960ern. Es ist eine haarige Angelegenheit. Das Publikum versteckt sich unter roten und weißen Haaren, langen und kurzen Frisuren, pinken Strähnchen oder Kunstblumen auf dem Kopf. Ein Trend lässt sich nicht erkennen. Dafür stecken sie die Köpfe zusammen, machen große Augen und richten den Blick ins Zentrum der Halle.

Foto: Trescher

Foto: Trescher

„Schau mal, der angeklebte Pony dort oben“, nuschelt eine Dame mittleren Alters ihrer Kollegin zu und deutet auf die Produkte von Pony Pek. Dort, auf einem Podest, werden die Trends vorgegeben – Frisuren und Kosmetikfarben, die in den nächsten Monaten Herzen von Kunden höher schlagen und Kassen der Friseure klingeln lassen sollen. Während die neugierigen Friseure, Obermeister und Fachbeauftragte der bayerischen Innungsverbände durch farbenreiche Präsentationen und kleine Messestände des Landesinnungsverband des Friseurhandwerks und einer lauten Mikrofonstimme informiert und unterhalten werden, knistert es zwei Hallen weiter ordentlich. Denn dort laufen die Vorbereitungen auf den Höhepunkt der Frisurenshow auf Hochtouren – es wird einen Catwalk mit ausgewählten Models und den neusten Frisuren geben. „Halb elf geht’s los“, ruft der Creativdirector Dieter Schöllhorn in die Massen. Verschiedene Stimmen sprechen daraufhin laut durcheinander. Die blonden Weltmeister Sonja Fischer und Matthias Scharf, Kosmetiker mit statischer Hornbrille und Trendscouts mit wehendem Schal laufen quer durch die beiden Umkleiden.  An der Seite hängt aufgereiht die neuste Escada-Kollektion. Sandige, aber auch grelle Einheitsfarben scheinen in der kommenden Saison den Ton anzugeben. Schräg gegenüber sitzt ein Wesen mit einer weißen Astronautenhaube aus Plastik und Luft auf dem Kopf – das Model unter der Trockenhaube ist nur zu erahnen. Andere sind schon fertig geschminkt, gefärbt, getrocknet, geglättet und frisiert. Ein anderes Model rubbelt sich noch das Lippenstiftrot von den weißen Zähnen. Sie trägt einen Bob.

Foto: Trescher

Foto: Trescher

Die Frisur aus den 80ern des vorigen Jahrhunderts scheint wieder im Trend zu sein. Nur irgendwie anders. „Mädels, trinkt was. Wasser, Wasser, Wasser“, schreit eine Frau in Schwarz. Ausgetrunkene Coca Cola-Flaschen stehen einsam auf den Frisiertischen herum. Die Macher brauchen wohl eher was zum Wachhalten. „Wo ist mein Pils? Sabrina, ich brauch dich für das Pressefoto. Schmink dich!“, ruft ein anderer mit einer weichen, aber aufgeregten Stimme. Auch in Schwarz. Alle wichtigen Leute tragen hier Schwarz. Eine zeitlose Farbe, die den Trend der Zeit bestimmt. Und rund 500 Gäste, die an dem Tag 37.105 bayerische Friseure vertreten. Und den Trend über die Nürnberger Grenzen hinaustragen.

Foto: Trescher

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Friederike Ebeling – Die Autorin schrieb diesen Text im Rahmen eines Seminars des Journalistischen Förderprogramms der Hanns-Seidel-Stiftung