Mindestausbildungsvergütung: Tarifpartner können es besser

Landesinnungsmeister Christian Kaiser spricht sich gegen staatliche Eingriffe in die Tarifautonomie aus.

Gegen eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung positionierte sich der Landesinnungsmeister des bayerischen Friseurhandwerks Christian Kaiser anlässlich der jüngsten Vorstandssitzung des Bayerischen Handwerkstages in München. In seinem Statement missbilligte er die staatlichen Eingriffe in die Tarifautonomie durch Mindestlohn und Mindestausbildungsvergütung. „Die Tarifpartner können es besser lösen und lösen es besser“, so Kaiser.
Neben der grundsätzlichen Ablehnung einer im Berufsbildungsgesetz verankerten Mindestausbildungsvergütung kritisierte der Landesinnungsmeister aber auch die aktuellen Vorschläge zur Höhe und Weiterentwicklung. „Eine Steigerung der Vergütung um rund 20 Prozent innerhalb von drei Jahren orientiert sich nicht an einer durchschnittlichen tariflichen Entwicklung“, stellte Kaiser klar. Zudem beinhalte die von BDA und DGB vorgeschlagene Entwicklung beim Übergang ins jeweils nächste Ausbildungsjahr eine kumulative Erhöhung durch die jährliche Steigerung. „Ich befürchtet nicht nur negative Auswirkungen auf die Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe, sondern auch Konsequenzen für die Ausbildungsqualität“, erklärte Kaiser in der Vorstandssitzung. „Jeder zusätzliche Euro bei der Ausbildungsvergütung fehlt für Ausbildungsmittel, Seminare und Fortbildungen.”
Für das bayerische Friseurhandwerk wurde im vergangenen Jahr ein Tarifvertrag über die Ausbildungsvergütung geschlossen. Er sieht ab 1. August 2019 eine Vergütung von 515 Euro im ersten, 605 Euro im zweiten und 760 Euro im dritten Ausbildungsjahr vor. Aufgrund der Blockadehaltung branchenfremder Arbeitgebervertreter im Tarifausschuss wurde er trotz des hohen Organisationsgrades der Ausbildungsbetriebe nicht für allgemeinverbindlich erklärt.

Bayerische Friseurmeisterschaft findet weiterhin statt

„Meisterschaften haben in Bayern eine Zukunft“ bekräftigt Landesinnungsmeister Christian Kaiser (im Bild ganz links)

Obwohl die HAARE 2019 nicht stattfindet, werden die Bayerischen Friseurmeisterschaften durchgeführt. „Im Moment sind wir dabei, einen geeigneten Rahmen für die Wettbewerbe zu schaffen“, so Creativdirektor Dieter Schöllhorn vom Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks. Die Deutsche Presseagentur dpa hatte vergangene Woche falsch gemeldet, dass unklar sei, ob die Meisterschaften fortgeführt werden. In der dpa-Meldung hieß es: „Ob und wie die bayerische Meisterschaft der Friseure und auch die Deutsche Meisterschaft fortgeführt werden, stand zunächst nicht fest.“ Mehrere bayerische Tageszeitungen druckten diese Meldung. Diese falsche Aussage hatte in der Friseurbranche für Irritationen gesorgt und der LIV stellt eindeutig klar: „Die Meisterschaften im bayerischen Friseurhandwerk wird es weiterhin geben“, so Landesinnungsmeister Christian Kaiser. „Mit Rücksicht auf laufende Gespräche können wir im Moment zum Austragungsort und -zeitpunkt der Meisterschaften nichts sagen. Wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind, werden wir zeitnah informieren“, verspricht  Kaiser.
Dem LIV ist es im Sinne der bayerischen Friseurinnen und Friseure wichtig eindeutig klarzustellen: „Meisterschaften haben in Bayern eine Zukunft.“

EU bestätigt: Meisterbrief im Friseurhandwerk ist der Garant für handwerkliche Qualität

„Wir haben täglich mit Köpfen zu tun und freuen uns, dass die Köpfe der EU-Kommission vernünftig sind!“ Mit diesen Worten begrüßte der Landesinnungsmeister des bayerischen Friseurhandwerks Christian Kaiser die jüngste EU-Entscheidung, den Meisterbrief in Deutschland zu erhalten. EU-Kommissionsvize Jyrki Katainen erklärte: „Der Meisterbrief und das duale Ausbildungssystem werden nicht angetastet.“
„Das sind sehr gute Nachrichten aus Europa für alle bayerischen Friseure“, so Landesinnungsmeister Kaiser weiter. „Das bayerische Friseurhandwerk steht hinter dem Meisterbrief und der dualen Berufsausbildung und hat sich für den Erhalt immer wieder eingesetzt.“ Kaiser bedankte sich bei allen Unterstützern. „Das Friseurhandwerk hat auf allen Ebenen für unsere Forderungen gekämpft. Wir führten Gespräche auf Landes-, Bundes- und Europaebene und wir sprachen mit Europapolitikern, wenn sie bei uns auf dem Friseurstuhl saßen“, so Kaiser weiter. „Fest steht: Unser Meisterbrief ist die Grundlage für handwerkliche Qualität und fundierte Ausbildung.“
Für einige Handwerksberufe, etwa in den Branchen Gesundheit, sei die Reglementierung durch den Meisterbrief gerechtfertigt, so die Behörde. Das Friseurhandwerk gehört zu den Gesundheitsberufen.
Die EU bestätigte, dass die Berufsausbildung in Deutschland hervorragend funktioniere. Dies zeige sich an der niedrigen Arbeitslosenquote und hohen Ausbildungsbereitschaft. Im bayerischen Friseurhandwerk werden im Moment rund 3800 Lehrlinge ausgebildet.

Unternehmerverband bayerisches Handwerk wählt Christian Kaiser in den Vorstand

Landesinnungsmeister Christian Kaiser (Mitte) mit UBH-Geschäftsführer Andreas Demharter (l.) und Vorsitzendem Konrad Steininger.

Landesinnungsmeister Christian Kaiser gehört nun dem Vorstand des Unternehmerverbandes bayerisches Handwerk (UBH) an. Die UBH-Mitgliederversammlung wählte den 48-jährige Friseurmeister auf der Internationalen Handwerksmesse IHM einstimmig in sein Führungsgremium. Damit ist das Friseurhandwerk zum ersten Mal im Vorstand der Arbeitgebervereinigung des Handwerks vertreten. Der Unternehmerverband ist der Zusammenschluss der Landesfachverbände des bayerischen Handwerks. Der Verband hat die Aufgabe, die gemeinsamen fachlichen, beruflichen, wirtschafts- und sozialpolitischen sowie kulturellen Belange seiner Mitglieder zu vertreten.

„Ich bin stolz darauf, das Friseurhandwerk in dieser Organisation vertreten zu dürfen und die Forderungen des Friseurhandwerks in die bayerische Handwerkspolitik einzubringen,“ so Landesinnungsmeister Christian Kaiser. Der LIV Friseure Bayern gehört mit rund 3800 Betrieben zu den großen Verbänden im Freistaat.

Entgelt-Tarifvertrag ist allgemeinverbindlich

Für allgemeinverbindlich erklärt wurde der Entgelt-Tarifvertrag für das bayerische Friseurhandwerk. Der Tarifausschuss beim bayerischen Arbeitsministerium folgte damit dem gemeinsamen Antrag des Landesinnungsverbandes und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.

In ihrem Antrag hatten die Tarifpartner das öffentliche Interesse an einem allgemeinverbindlichen Entgelt-Tarifvertrag im bayerischen Friseurhandwerk dargelegt. Außerdem führte der Landesinnungsverband den Nachweis, dass die Innungsbetriebe mehr als die Hälfte der über 37000 Mitarbeiter im bayerischen Friseurhandwerk beschäftigen. „Durch die Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrages ist sichergestellt, dass wir in Bayern einheitliche tarifliche Lohnuntergrenzen haben“, begrüßt Landesinnungsmeister Christian Kaiser die Entscheidung des Tarifausschusses. „Damit setzen wir unsere erfolgreiche Tarifpolitik der vergangenen Jahrzehnte fort“, so Kaiser weiter.

Der tarifliche Einstiegslohn für Gesellen liegt bei 8,83 Euro pro Stunde. Erste Kräfte verdienen im Ecklohn 12,08 Euro. Für angestellte Betriebsleiter und Ausbilder sieht der Tarifvertrag einen Stundenlohn ab 13,83 Euro vor. Die bisherige Lohngruppe Ia für ungelernte Kräfte wurde gestrichen. Mit dem gesetzlichen Mindestlohn gilt seit 1. Januar 2015 eine verbindliche Lohnuntergrenze für Ungelernte. Festgeschrieben wurde für diese Mitarbeitergruppe ein Anspruch auf Höhergruppierung nach einschlägiger Berufstätigkeit. Die Allgemeinverbindlichkeit gilt rückwirkend ab 1. November 2015, für § 2 Ziff. 2 ab 1. Mai 2016.

Das bayerische Friseurhandwerk beschäftigt über 37000 Mitarbeiter und bildet 3768 junge Menschen zu Friseurinnen und Friseuren aus (Stichtag 31.12.2015). Die erste Lohnvereinbarung für die Beschäftigten wurde 1949 zwischen dem Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks und der Gewerkschaft ÖTV getroffen. Seit 1992 sind die Entgelt-Tarifverträge durchgehend für allgemeinverbindlich erklärt worden.

Innungsmitglieder haben den Tarifvertrag bereits im Februar mit der LIV direkt erhalten. Nichtmitglieder können ihn hier bestellen.

Alternative bedarfsorientierte Betreuung: An Pflichtfortbildung denken

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer im Friseurhandwerk organisieren die betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung (BuS-Betreuung) ihres Betriebs als alternative bedarfsorientierte Betreuung. Durch das Inkrafttreten der DGUV Vorschrift 2 vor fünf Jahren hat diese relativ junge Betreuungsform, die Betrieben mit bis zu 50 Beschäftigten offensteht, an Bekanntheit und Verbreitung gewonnen. Von daher steht für so manche Nutzerinnen und Nutzer demnächst eine obligatorische Fortbildung zum Thema an. Darauf weist die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hin. Betroffene sollten sich rechtzeitig bei den Kooperationspartnerinnen und -partnern der BGW nach Fortbildungsterminen erkundigen.

Für die bayerischen Friseurbetriebe wird die alternative bedarfsorientierte Betreuung vom Landesinnungsverband als Kooperationspartner der BGW angeboten. Zusammen mit seinen Mitgliedsinnungen organisiert er die grundlegende Schulung der Unternehmerinnen und Unternehmer beim Einstieg in diese BuS-Betreuungsform, stellt bei Bedarf betriebsärztliche und sicherheitstechnische Unterstützung und bietet die erforderlichen Fortbildungen an. Die nächsten Schulungstermine sind hier zu finden. Weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.bgw-online.de/arbeitsschutzbetreuung.

Wer in einem Betrieb Menschen beschäftigt – und sei es nur eine Person – muss nach dem Arbeitssicherheitsgesetz und der DGUV Vorschrift 2 eine betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung einrichten. Die alternative bedarfsorientierte Betreuung bietet hier im Vergleich zur Regelbetreuung besonders viel Flexibilität und Möglichkeiten zur Eigeninitiative. Um diese im Sinne der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu nutzen, kommt es auf das nötige Know-how an. Dieses erwerben die Unternehmerinnen und Unternehmer in einer grundlegenden Schulung sowie regelmäßigen Fortbildungen, die grundsätzlich alle fünf Jahre en bloc absolviert werden können.

Landesinnungsverband kooperiert mit Friseurklassifizierung

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Heidrun Barbie, GF Friseurklassifizierung, übergibt Landesinnungsmeister Christian Kaiser symbolisch das Sterneschild.

Ihre Kooperation bekräftigt haben jüngst der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks und die Friseurklassifizierung Deutschland. Den rund 3800 Mitgliedsbetrieben der im bayerischen Verband organisierten Innungen sichert dies einen preislichen Vorteil, wenn sie ihre Salons klassifizieren lassen. „Mit der Sterneklassifizierung können sich Salons von Mitbewerbern abheben. Für Kunden und Fachkräfte liefert die Klassifizierung eine erste Orientierung. Gerne stellen wir unseren Mitgliedern das Konzept der Klassifizierung vor und sichern ihnen durch die Kooperation einen finanziellen Vorteil“, stellt Landesinnungsmeister Christian Kaiser die Eckpunkte der Zusammenarbeit heraus.

Bereits nach den ersten Monaten 2016 kann Heidrun Barbie, Geschäftsführerin der Friseurklassifizierung Deutschland, eine erste überaus positive Zwischenbilanz ziehen. „Die Friseurklassifizierung wird von den Friseuren nahezu durchgängig positiv aufgenommen. In kürzester Zeit haben über 120 Salons nach den Sternen gegriffen – und sind nun klassifiziert. Immer mehr Salons nutzen inzwischen die Möglichkeit, sich positiv von Mitbewerbern abzugrenzen.“

Das Thema der Klassifizierung und das Bedürfnis, das Image und den Stellenwert des Friseurs zu verbessern, stehen schon lange „in den Sternen“ von Heidrun Barbie. Mit ihrem neuen Projekt, der Friseurklassifizierung Deutschland, ist es nun endlich möglich: mit der Klassifizierung kann sich der Friseur nach außen dem Kunden und nach innen den Mitarbeitern gegenüber besser und leistungsgerechter positionieren. Wie heißt es doch so schön: „Tu‘ Gutes und sprich darüber!“ – und genau das passiert nun und zwar auf neutrale, firmenunabhängige Weise.