Appell der bayerischen Friseure: 10 qm Lösung endlich beenden

Der LIV fordert eine Aufhebung der 10 Quadratmeter-Regelung,

Mit Unverständnis und Kopfschütteln reagierte Landesinnungsmeister Christian Kaiser auf die ausgebliebenen Corona-Lockerungen für das bayerische Friseurhandwerk. Sowohl Ministerpräsident Markus Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger als auch Gesundheitsminister Klaus Holetschek bekamen Schreiben mit der Aufforderung, die 10 Quadratmeter-Regelung für Friseursalons aufzuheben. „Passiert ist nichts“, so Landesinnungsmeister Christian Kaiser enttäuscht. Das Büro des Gesundheitsministers hat sich zumindest gemeldet und unser Schreiben an das Wirtschaftsministerium weitergeleitet. 

Die Bundesnotbremse ist seit heute ausgelaufen. Die Bundesnotbremse kannte im übrigen auch keine Quadratmeterbeschränkung für körpernahe Dienstleistungen. Aber die aktuelle Fassung der 13. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sieht in § 14 für das Friseurhandwerk als körpernahem Dienstleister eine Mindestfläche von 10 Quadratmeter pro Kunde vor. 

„Diese Regelung behindert viele Friseurbetriebe unverhältnismäßig stark. Aufgrund der Quadratmeterbeschränkung müssen Mitarbeiter weiterhin in Kurzarbeit verbleiben und dennoch können Betriebe nicht profitabel arbeiten. Außerdem leidet die ohnehin sehr gedämpfte Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zusätzlich“, so Kaiser. In früheren Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnungen vor Einführen der Bundesnotbremse erstreckte sich die Quadratmeterregelung nicht auf das Friseurhandwerk. Arbeits- und Infektionsschutz kamen im Friseurhandwerk dennoch nicht zu kurz. 

In den Schreiben an die bayerischen Politiker heißt es weiter: „Wie Sie wissen, hat das Friseurhandwerk bereits seit April 2020 einen umfassenden und anspruchsvollen Arbeitsschutzstandard, der im Laufe der Zeit von der zuständigen Berufsgenossenschaft immer wieder nachjustiert wurde und auch Aspekte des Infektionsschutzes beinhaltet. Das Friseurhandwerk war somit frühzeitig für die erforderlichen Schutzmaßnahmen sensibilisiert und setzt diese bis zum heutigen Tag in vorbildlicher Weise um. Die Regelung zu den Mindestquadratmetern erweist sich in der Praxis allerdings als deutliches Hemmnis für die Betriebe.“ Aufgrund der zahlreichen anderen Vorgaben wie Mindestabstand zwischen den Kunden, FFP2-Maskenpflicht für Kunden, mindestens medizinische Masken für das Personal, Vermeiden von Wartezeiten, Festlegen von Verkehrswegen – wobei sich Kunden während der Dienstleistung ja nicht frei im Salon bewegen und der Weg vom Bedien- zum Waschplatz immer kontrolliert erfolgt -, Lüftungskonzept (schon vor der Pandemie war durch die TRGS 530 ein Mindestluftaustausch für Salons vorgeschrieben) kommt es in den Salons zu keinen ungewollten und unkontrollierbaren Personenansammlungen und die Aerosolkonzentration wird niedrig gehalten.

Christian Kaiser: „Das bayerische Friseurhandwerk fordert die verantwortlichen bayerischen Politiker auf, unsere Argumente nochmals zu überdenken und die 10 Quadratmeter Regelung endlich fallen zu lassen.“

Aiwanger: Friseure müssen Mitte Februar öffnen

Der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger will Mitte Februar die bayerischen Friseursalons öffnen.
Der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger will Mitte Februar die bayerischen Friseursalons öffnen.

“Wir müssen Mitte Februar die Friseure öffnen!” So deutlich hat es der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) in der BR-Bürgersendung Jetzt red i am Mittwochabend im Bayerischen Fernsehen gesagt. “Für mich ist der letzte Termin für die Friseure, den wir diskutieren können, Mitte Februar.”

Aiwanger stellte sich den Aussagen der Neumarkter Obermeisterin Elisabeth Würz. Die Friseurmeisterin erklärte für ihre Branche: “Es kommt nichts rein. Die Kosten laufen weiter.” Durch die Schließung werde die Schwarzarbeit angefacht. “Wir müssen dasitzen und zuschauen, wie das geschieht.” Salons stünden vor der Pleite. “Es ist kein Geld geflossen. Die Dezemberhilfe greift nicht. Die Überbrückungshilfe kann man jetzt noch nicht beantragen”, so Elisabeth Würz: “Es ist nicht zu stemmen und es nicht zu schaffen.”

Hubert Aiwanger folgte in der TV-Sendung den Argumenten des Landesinnungsverbandes. “Es geht in die Psyche der Menschen rein. Es gehört zur Körperhygiene dazu.” Die Schwarzarbeit werde angefacht. Und auch das Hygienekonzept funktioniert in den Salons: “Und wir haben keine Belege, dass bei den Friseuren viel passiert ist.” Für Aiwanger steht fest: “Ich sage: Mit der FFP2-Maske müssen die Friseure Mitte Februar öffnen dürfen.” Die Friseurunternehmer müssen die Hygienekonzepte umsetzen: “Wer mit Maske seinen Geschäftsbetrieb organisieren kann, der soll in meinen Augen öffnen dürfen und wer nicht, der nicht.” 
Allerdings betonte der Wirtschaftsminister auch: “Wenn uns der englische Virus überrumpelt, dann müssen wir alles bremsen was geht.”

Der Landesinnungsverband konnte die Staatsregierung bereits im ersten Lockdown mit seinem Hygienekonzept für Friseursalons überzeugen. Angepasst an die aktuelle Situation, wurde es Mitte Januar 2021 Ministerpräsident Söder, Wirtschaftsminister Aiwanger, Gesundheitsminister Holetschek und Arbeitsministerin Trautner übermittelt. Darin wurde vorgeschlagen, für eine noch höhere Verbindlichkeit und Kontrollierbarkeit durch die Ordnungsbehörden in der entsprechenden bayerischen Verordnung explizit auf den branchenspezifischen Arbeitsschutzstandard Bezug zu nehmen und die Pflicht zur Erfassung der Kundendaten festzulegen. Ebenso könnte die FFP2-Maskenpflicht analog zur aktuellen bayerischen Regelung beim Einkaufen und im ÖPNV festgeschrieben werden. Außerdem wurde auf den bestehenden Arbeitsschutzstandard hingewiesen, der u.a. beinhaltet:

  • Kontrollierter Zugang zum Friseursalon durch persönliche Terminvergabe
  • Vermeiden von Wartezeiten und Personenansammlungen
  • Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Kunden und Mitarbeitern (mit Ausnahme des Erbringens der Dienstleistung), auch auf Verkehrswegen im Salon
  • Maskenpflicht
  • Ausreichender Luftaustausch in allen Arbeits-, Pausen- und Sanitärräumen
  • Reinigung und Desinfektion der Arbeitsgeräte und Arbeitsplätze

Diskussion um Öffnungsstrategie für bayerische Friseursalons

Bayerns Friseure begrüßen die Diskussion um eine Öffnungsstrategie im Freistaat. „Unsere Unternehmer mit ihren Mitarbeitern brauchen ein Licht am Ende des Tunnels“, so Landesinnungsmeister Christian Kaiser.  

Bayerische Friseursalons brauchen ein Licht am Ende des Tunnels.

Der bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger erklärte dazu am 25. Januar in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse: „An Grundschulen ab Mitte Februar bei einem Wert unter 200 – wie wir es zu Winterbeginn beschlossen hatten. Handel und Hotel bei rund 100. Friseure und Dienstleister spätestens Mitte Februar. Dabei ist auch zu berücksichtigen, ob es eine breite Verteilung der Infektionslage gibt oder ob es Hotspots wie Pflegeheime sind, die die Zahlen hochtreiben.“

Und weiter erklärte Aiwanger: „Monatelange Schließungen ganzer Branchen sind nicht die einzige Alternative zur Öffnung, wie es noch im Frühjahr 2020 war, wo wir noch keine Masken und Hygienekonzepte hatten. Wir treiben vieles auch immer mehr in die Illegalität, wo es dann keine Hygienekonzepte gibt, beispielsweise der Privatbesuch des Friseurs. Also: weiterhin Kontaktreduzierung überall dort, wo man sich ohne Masken näher kommt als 1,5 Meter. Wo man das einhalten kann, sind Schließungen immer schwerer zu begründen.“

„Die Aussagen des Wirtschaftsministers sind ermutigend“, so Landesinnungsmeister Christian Kaiser. Die Friseurbetriebe in Bayern sind für eine Wiedereröffnung bereit. Die Friseure waren die erste Branche innerhalb der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, die einen ausgeklügelten Arbeitsschutzstandard für Pandemie-Bedingungen vorweisen konnte. Dass mit diesem Konzept sicher gearbeitet werden kann, zeigen unter anderem die Zahlen der Berufsgenossenschaft. Dort waren bis Ende Dezember im Friseurhandwerk sechs Covid-19-Fälle für das Jahr 2020 bei 80.000 Friseurbetrieben in ganz Deutschland gemeldet, von denen keiner anerkannt ist. Daher steht fest: Die Friseursalons spielen im Infektionsgeschehen keine Rolle.

Kontrollen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege haben ergeben, dass die Vorgaben des Arbeitsschutzstandards in den Betrieben zu über 90 Prozent eingehalten wurden. Für eine noch höhere Verbindlichkeit und Kontrollierbarkeit durch die Ordnungsbehörden könnte in der entsprechenden bayerischen Verordnung explizit auf den branchenspezifischen Arbeitsschutzstandard Bezug genommen und die Pflicht zur Erfassung der Kundendaten festgelegt werden. Ebenso könnte die FFP2-Maskenpflicht analog zur aktuellen bayerischen Regelung beim Einkaufen und im ÖPNV festgeschrieben werden. „Wir brauchen eine Perspektive für unsere Salons“, so Landesinnungsmeister Kaiser.

Corona-Virus: Argumente für Exit-Strategie an Wirtschaftsminister übermittelt

„Wir fordern den Bayerischen Wirtschaftsminister auf, den Landesinnungsverband bei der Erarbeitung einer Exit-Strategie für das bayerische Friseurhandwerk zu beteiligen,“ so Landesinnungsmeister Christian Kaiser

„Wir fordern den Bayerischen Wirtschaftsminister auf, den Landesinnungsverband bei der Erarbeitung einer Exit-Strategie für das bayerische Friseurhandwerk zu beteiligen,“ so Landesinnungsmeister Christian Kaiser

„Wir fordern den Bayerischen Wirtschaftsminister auf, den Landesinnungsverband bei der Erarbeitung einer Exit-Strategie für das bayerische Friseurhandwerk zu beteiligen,“ so Landesinnungsmeister Christian Kaiser zu bevorstehenden Ankündigungen in der Corona-Krise. „Wir haben deshalb dem Wirtschaftsministerium unsere Argumente und Überlegungen einer Exit-Strategie übersandt und hoffen auf eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Friseurhandwerk und Politik.“

„Wir müssen handeln, denn die aktuelle Situation beflügelt die Schwarzarbeit. Die Nachfrage nach Friseurdienstleistungen ist vorhanden“, so Kaiser. Do it yourself (DIY) birgt Gefahren für den bayerischen Verbraucher, wenn Friseurkunden nun zu Drogerieprodukten greifen, die sie sonst nicht anwenden und die damit Allergien auslösen können. Ein weiteres Argument sieht der Landesinnungsverband darin, dass die Friseurdienstleistung zum Wohlbefinden der Menschen beiträgt. Zudem sind Friseurdienstleistungen zum Teil medizinisch notwendig (Perückenversorgung bei Krebspatienten) oder für die psychische Gesundheit wichtig. So müssen geklebte Toupets alle vier Wochen erneuert werden.

Diese Argumente für eine gemeinsame Exit-Strategie und Maßnahmen, die Friseuren ein sicheres Arbeiten mit erhöhten Hygienestandards ermöglichen sollen, wurden dem Wirtschaftsministerium als zuständigem Ministerium übermittelt. „Wir unterstützen die Maßnahmen der bayerischen Politik und sind uns sicher, dass wir mit unseren guten Argumenten auf offene Ohren bei Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger stoßen“, erklärte Landesinnungsmeister Christian Kaiser. Am Mittwochmittag wollen sich die verantwortlichen Politiker zum weiteren Vorgehen in Sachen Corona äußern.