Friseure: Kein Spielball der Politik

Der stellvertretende Landesinnungsmeister Christian Kaiser hat eine klare Position in Sachen Mindeslohn.

Der stellvertretende Landesinnungsmeister Christian Kaiser hat eine klare Position in Sachen Mindeslohn.

Der stellvertretende Landesinnungsmeister Christian Kaiser hat eine klare Position in Sachen Mindeslohn. Wir fragten bei ihm nach.

Was halten Sie vom bundesweiten Mindestentgelt-Tarifvertrag?

Kaiser: Gerade als Friseur in München habe ich mich besonders über die Negativ-Schlagzeilen meiner Branche geärgert. Oft wurde ich nach Berichten über die niedrigen Löhne von Kunden darauf angesprochen, ob Mitarbeiter in München auch so schlecht bezahlt werden. Dabei haben wir in Bayern seit über sechs Jahrzehnten einen Lohntarifvertrag für Friseure. Seit 1991 ist er ohne Unterbrechung allgemeinverbindlich. Und unser Einstiegslohn liegt weit über den in der Presse immer wieder genannten 4,20 €. Daher begrüße ich ausdrücklich die Einigung auf Bundesebene auf einen einheitlichen Mindeststundenlohn von 8,50 € ab August 2015.

Welche Auswirkungen hat der neue Mindestentgelt-Tarifvertrag auf den Freistaat Bayern?

Kaiser: Der bayerische Tarifvertrag ist die speziellere Regelung und hat Vorrang gegenüber dem bundesweiten Vertrag. Außerdem liegt der Einstiegslohn in Bayern zu jedem Zeitpunkt über den auf Bundesebene vereinbarten Sätzen. Insofern hat der Mindestentgeltvertrag derzeit keine unmittelbare Auswirkung auf bayerische Friseure. Zu beachten ist allerdings, dass der Vertrag auf Bundesebene alle Beschäftigten in Friseursalons einbezieht, also nicht nur die friseurhandwerklich tätigen. Damit gilt er zum Beispiel auch für die Putzfrau oder Bürohilfe.

Warum hat sich der bayerische Landesinnungsverband für einen Tarifvertrag zur Regelung des Mindestentgelts stark gemacht? Hätte man nicht einfach auf einen gesetzlichen Mindestlohn warten können?

Kaiser: Als Landesinnungsverband sind wir Tarifpartei. Wir schätzen die Möglichkeit, mit der Gewerkschaft Tarifverträge für unsere Branche ohne Einmischung des Staates zu schließen. Die Tarifautonomie ist ein hohes Gut, das wir nicht einfach aufgeben sollten. Mit einem gesetzlichen Mindestlohn werden wir zum Spielball der Politik. Stundenlöhne werden dann zum Wahlkampfthema. Das können wir nicht gutheißen.

Verhandlungen zu Mindestentgelt-Tarifvertrag sollen kommen

Die Tarifsituation im deutschen Friseurhandwerk war zentrales Thema der Geschäftsführerkonferenz.

Es soll zu Verhandlungen über einen Mindestentgelt-Tarifvertrag für das Friseurhandwerk kommen, wenn es nach dem Willen der Landesgeschäftsführer der deutschen Friseure geht. In Berlin sprach sich die Geschäftsführerkonferenz des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks für die baldmögliche Aufnahme von Verhandlungen über einen Mindestentgelt-Tarifvertrag für das Friseurhandwerk aus. Auch der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks zeigte in Berlin Flagge. In Bayern gilt ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag, an den sich alle Arbeitgeber halten müssen. Die bayerischen Tarifverträge gibt es hier. „Dennoch müssen wir bei diesem Thema in Deutschland vorankommen, ohne den bayerischen Entgelt-Tarifvertrag zu gefährden. Dies hat der bayerische Vorstand klar vorgegeben“, so Doris Ortlieb, Geschäftsführerin des LIV Friseure Bayern.
Ziel müsse es sein, die zerrissene Tarifsituation in der Branche zu beseitigen. Während es in einer Vielzahl von Bundesländern wie in Bayern aktuelle allgemeinverbindliche Tarifverträge gebe, seien manche Regionen praktisch oder tatsächlich tariflos, so die Meinung der Geschäftsführerkonferenz. Dies führe zu Wettbewerbsverzerrungen und Preisdumping. Das schade der Branche, seinen Beschäftigten und Unternehmern. Nach Vorschlag der Geschäftsführer soll die Verhandlungskommission breit aufgestellt werden und aus den Vertretern der Landesinnungsverbände bestehen. Dadurch könnten bestehende Tarifhoheiten unverändert gelassen werden. Der bayerische Landesinnungsverband kündigte seine aktive Mitarbeit in dieser Kommission an.