Wer will schon als Friseur in die Röhre schauen?

Kopfschütteln bei Bayerns Friseuren: Wer will schon als kreativer Mensch den ganzen Tag in die Röhre schauen?

Mit Kopfschütteln reagieren die bayerischen Friseure auf eine Werbekampagne der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG. Das Unternehmen der Stadtwerke München plakatiert im U-Bahn-Bereich der Landeshauptstadt einen Aufruf zum Jobtausch für Friseure.

„Tausche Kamm & Schere gegen Fahrersitz“, heißt es in dem Plakat. „Glauben die Verantwortlichen wirklich, dass sich ein Friseur mit so einer plumpen Ansprache locken lässt? Schließlich hat er sich bewusst für einen kreativen Beruf entschieden“, so Landesinnungsmeister Christian Kaiser. „Warum soll ich als Friseur die Monotonie eines U-Bahn-Fahrers wählen, wenn ich Schönheit und Kreativität im Beruf haben und mich selbst verwirklichen kann? Wer will schon dauernd in die Röhre schauen?“

Zudem wird durch die Digitalisierung der U-Bahn-Fahrer ersetzt, wie die fahrerlosen U-Bahnen in Nürnberg bereits zeigen. Der Friseurberuf hat dagegen Bestand, denn er arbeitet am Menschen und ist nicht zu ersetzen.

Aktion: Mach mit, denn du bist Innung

Der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks hat zusammen mit dem Unternehmensberater Hannes Friedl ein neues Programm „Mach mit, denn du bist Innung“ entwickelt.

Damit Friseurinnungen dem Wettbewerb von morgen schon heute gewachsen sind, hat der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks zusammen mit dem Unternehmensberater für Friseure Hannes Friedl von HOMINI CTM ein neues Programm entwickelt. Unter dem Motto „Mach mit, denn du bist Innung“ wurde eine dienstleistungsorientierte Initiative entwickelt, die in Bayern und bundesweit umgesetzt wird. Diese stellt den Friseur in den Mittelpunkt und beinhaltet mehr Kommunikation, Gründerworkshops für Unternehmensgründer, ein Eliteklassenprogramm für Gesellen, betriebswirtschaftliche Seminare für den Unternehmer und spezielle U30-Jugendgruppen.

„Wir haben uns ein klares Ziel gesetzt“, so Landesinnungsmeister Andreas Popp: „Die Mitgliedschaft in der Innung muss Spaß machen, für jeden einzelnen Mitgliedsbetrieb nützlich sein und auch Friseurkarrieren fördern.“ Im Mittelpunkt der Initiative steht moderne Kommunikation mit den Mitgliedern und der Öffentlichkeit. „Verbände und Innungen haben für die Friseurbranche in den vergangenen Jahren mehr erreicht, als in der Branche wahrgenommen wurde – diese Wahrnehmung gilt es zu schärfen“, so Unternehmensberater Hannes Friedl.

Bei der Kommunikation wird darauf geachtet, dass der Innungsfriseur noch mehr im Vordergrund steht. „Im Rahmen des Innungsangebots werden wir verstärkt den Alltag unserer Mitglieder kompetent begleiten und Hilfestellung für die brennenden Themen der Betriebe bieten“, erklärt Landesinnungsmeister Andreas Popp. Dazu wurde vom Landesinnungsverband ein Maßnahmenpaket geschnürt.

So werden bereits im Frühjahr in mehreren bayerischen Städten Gründerworkshops veranstaltet. „Wir sprechen hier in erster Linie Meisterschüler, Neugründer und Gründungswillige im Friseurhandwerk an“, so Popp weiter. Die Inhalte drehen sich ausführlich um Finanzierung, Konzeption, Mietfläche, Marketing und Personal.

Zudem wurde Website des LIV auf ein modernes Blogsystem umgestellt, um die Kommunikation zu erhöhen. Innungsmitglieder werden dort über ihre Mitgliedskarte weiters die Möglichkeit haben, zu Spitzenkonditionen im Internet zu shoppen.

Mit der Frage: „Was kann ich nach der Ausbildung tun, um mich intensiv weiterzubilden?“ befasst sich das neue „Eliteklassen-Programm“ des LIV Bayern. Dort erhalten die Jahrgangsbesten der Gesellenprüfung die Chance, sich in zehn exklusiven Workshops mit deutschen Spitzenfriseuren und namhaften Trainern innerhalb eines Jahres konzentriert weiterzuentwickeln.

Um den Unternehmer betriebswirtschaftlich fit zu machen, bietet der LIV in Zusammenarbeit mit Hannes Friedl von HOMINI künftig Eintagesworkshops an. Inhalte sind dabei Motivation, Friseurmanagement, Beratung & Verkauf, Marketing & Werbung und Personalführung.

„Verbandsarbeit ist für junge Inhaber meist anstrengend und neben dem Aufbau des Betriebs eine echte Herausforderung. Wir wollen jungen Friseuren deutlich machen, dass das Miteinander in der Innung viel Motivation bedeutet und zahlreiche Chancen für den eigenen Betrieb bringt.“ so Landesinnungsmeister Andreas Popp. Auf diesem Weg sollen U30-Jugendgruppen Schwung in die Innungen bringen. Über das Entwickeln eigener Projekte, die Organisation von Partys und Events, werden junge, motivierte Friseure an das Innungsleben herangeführt. Sie sollen Vorständen beratend zur Seite zu stehen und gleichzeitig an verantwortliche Positionen herangeführt werden. So wird die Jugend zukünftig stark ins Innungsleben eingebunden werden, mitentscheiden und Verantwortung tragen dürfen.