Friseur-Protest geht weiter: “Lasst euer Licht an” geht am Freitag in die nächste Runde

Der Protest der bayerischen Friseure geht diesen Freitag weiter. Nach dem großen Erfolg und der enormen Resonanz bleiben die Lichter auch diesen Freitag ab 8 Uhr bis Samstag 8 Uhr in den Friseursalons an. Mit der symbolträchtigen Aktion “Lasst euer Licht an” wiesen Bayerns Friseure vergangene Woche auf ihre prekäre Situation hin.

Auch diesen Freitag 8 Uhr bis Samstag 8 Uhr lassen bayerische Friseure das Licht im Salon brennen als stiller Protest. Alle bitte mitmachen und Flagge zeigen,

“Wir brennen für unsere Kunden”, so bringt die Lindauer Friseurmeisterin Petra Zander, Vorstandsmitglied im Landesinnungsverband und Initiatorin der Aktion, das Anliegen in dieser Woche auf den Punkt. “Vielen Dank für das solidarische Verhalten innerhalb der Branche und ein besonders großes Dankeschön für die Unterstützung unserer Kundinnen und Kunden.” Zahlreiche Unterstützungsangebote trafen bei den Betrieben, Innungen und dem Landesinnungsverband als Vertreter der selbstständigen Friseure ein. “Vielen Dank für die enorme Wertschätzung in Mails, in sozialen Netzwerken und in Anrufen. Eine Aussage einer Kundin war: Bei mir wachsen nur die Haare, bei euch wachsen die Sorgen.”

“Wir stoßen auf große Solidarität bei unseren Kundinnen und Kunden, die ihren Friseurbesuch vermissen und die für ihr Wohlbefinden und Körperhygiene auf uns Friseure angewiesen sind”, so Petra Zander weiter. “Wir bayerischen Friseure brennen darauf, Sie wieder verwöhnen zu dürfen. ” 

Den bayerischen Friseuren ist klar: Was wären Friseure ohne ihre Kundinnen und Kunden! Sie zahlen den Lohn. In Bayern haben Friseure rund 125 000 Kundenkontakte pro Tag. “Seit 29 Arbeitstagen im Lockdown fehlen Sie uns 3 625 000 mal. Daher brauchen wir eine Perspektive für unsere Salons und ihre Kunden”, fasst es Friseurmeisterin Petra Zander zusammen.

Von Freitag 8 Uhr bis Samstag 8 Uhr wird daher die symbolische Protestaktion “Lasst euer Licht an” fortgesetzt. Jeder Salon in Bayern ist aufgerufen, sich bei dieser stillen Demonstration zu beteiligen und zu zeigen: Wir brennen für unsere Kunden! Im Moment arbeiten die Friseure in Bayern auf eine Öffnung ihrer Salons am 15. Februar hin.

Das Friseurhandwerk war die erste Branche innerhalb der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, die einen ausgeklügelten Arbeitsschutzstandard für Pandemie-Bedingungen vorweisen konnte. Dass mit diesem Konzept sicher gearbeitet werden kann, zeigen unter anderem die Zahlen der Berufsgenossenschaft. Dort waren bis Ende Dezember im Friseurhandwerk sechs Covid-19-Fälle für das Jahr 2020 bei 80.000 Friseurbetrieben in ganz Deutschland gemeldet, von denen keiner anerkannt ist. Daher steht fest: Die Friseursalons spielen im Infektionsgeschehen keine Rolle, Kunden können sich im Salon sicher fühlen.

Appell ans bayerische Kabinett: „Lassen Sie uns die Salons am 1. Februar 2021 öffnen“

In einem Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Arbeitsministerin Carolina Trautner und Gesundheitsminister Klaus Holetschek appelliert der Landesinnungsverband für die bayerischen Friseure: „Geben Sie grünes Licht und lassen Sie uns die Salons am 1. Februar 2021 öffnen“.  Dieser Brief, unterschrieben von Landesinnungsmeister Christian Kaiser und Geschäftsführerin Doris Ortlieb, wurde heute per Mail übermittelt und per Post versendet: 

Bayerische Friseure schreiben an Ministerpräsident Söder und die Minister Aiwanger, Holetschek und Ministerin Trautner. Foto: Staatskanzlei

Die Friseursalons spielen im Infektionsgeschehen keine Rolle und daher wenden wir uns an Sie, sich mit Nachdruck für eine rasche Wiedereröffnung der Friseursalons in Bayern einzusetzen.

Als Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks sprechen wir für 14000 selbstständige Friseure im Freistaat. Nach dem ersten Lockdown und im Lockdown light hat unsere Branche bewiesen, dass Friseurdienstleistungen auch in der aktuellen Pandemie sicher erbracht werden können. Unsere Betriebsinhaber sind aufgrund des Meistervorbehalts hoch qualifiziert. Durch das Unternehmermodell/alternative Betreuung sind sie außerdem besonders befähigt, sich um den Arbeitsschutz zu kümmern.

Die Friseure waren die erste Branche innerhalb der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, die einen ausgeklügelten Arbeitsschutzstandard für Pandemie-Bedingungen vorweisen konnte. Dass mit diesem Konzept sicher gearbeitet werden kann, zeigen unter anderem die Zahlen der Berufsgenossenschaft. Im Friseurhandwerk gibt es aktuell sechs gemeldete Covid-19-Fälle für das Jahr 2020 bei 80.000 Friseurbetrieben in ganz Deutschland, von denen keiner anerkannt ist. Daher steht fest: Die Friseursalons spielen im Infektionsgeschehen keine Rolle.

Kontrollen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege haben ergeben, dass die Vorgaben des Arbeitsschutzstandards in den Betrieben zu 95 Prozent eingehalten wurden. Für eine noch höhere Verbindlichkeit und Kontrollierbarkeit durch die Ordnungsbehörden könnte in der entsprechenden bayerischen Verordnung explizit auf den branchenspezifischen Arbeitsschutzstandard Bezug genommen und die Pflicht zur Erfassung der Kundendaten festgelegt werden. Ebenso könnte die FFP2-Maskenpflicht analog zur aktuellen bayerischen Regelung beim Einkaufen und im ÖPNV festgeschrieben werden.

Unser Arbeitsschutzstandard beinhaltet u.a. Regelungen zu:

  • Kontrollierter Zugang zum Friseursalon durch persönliche Terminvergabe
  • Vermeiden von Wartezeiten und Personenansammlungen
  • Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Kunden und Mitarbeitern (mit Ausnahme des Erbringens der Dienstleistung), auch auf Verkehrswegen im Salon
  • Maskenpflicht
  • Ausreichender Luftaustausch in allen Arbeits-, Pausen- und Sanitärräumen
  • Reinigung und Desinfektion der Arbeitsgeräte und Arbeitsplätze

Der Lockdown führt massiv zu Schwarzarbeit. Friseurdienstleistungen haben eine große Bedeutung in der alltagsbezogenen Grundversorgung der Bevölkerung. Aktuell beobachten wir mit großer Sorge einen massiven Anstieg “unmoralischer” Angebote von Verbrauchern, die bei Friseuren wegen privater Termine für Haarschnitte nachfragen. Seriöse Friseure lehnen dies selbstverständlich ab. Dennoch beflügelt die aktuelle Schließung der Friseurbetriebe die Schwarzarbeit. Eine fatale Entwicklung in Zeiten einer Pandemie, die unserem gemeinsamen Ziel, die Infektionszahlen zu drücken, komplett zuwiderläuft. Der Bereich der Schwarzarbeit entzieht sich de facto jeder Kontrolle und Nachverfolgung von Infektionsketten; Hygienekonzepte und Arbeitsschutzmaßnahmen, die auch einen Kunden- und Infektionsschutz bewirken, spielen dort keine Rolle. 

Die bayerischen Friseure zählen auf Ihre Unterstützung. Unsere sachlichen Argumente sprechen für eine Öffnung der bayerischen Friseursalons am 1. Februar. Das bayerische Friseurhandwerk steht hinter der Pandemie-Bekämpfung der bayerischen Staatsregierung, sieht aber Korrekturen für die Friseurbranche als absolut notwendig an. Geben Sie grünes Licht und lassen Sie uns die Salons am 1. Februar 2021 öffnen.

Corona-Virus: Re-Start der Friseure in Bayern

Seit 10 Uhr tagt das Bayerische Kabinett, um für den Freistaat den Zeitplan für den Weg aus dem Corona-Ausnahmezustand festzulegen. Ministerpräsident Söder hatte am Mittwochabend in Berlin nach der Bund-Länder-Konferenz erklärt, dass Bayern vom verkündeten Zeitplan in einigen Punkten abweichen werde. Daher ist der Termin für den Re-Start der Friseure in Bayern erst nach der heute für 12.30 Uhr angekündigten Pressekonferenz bekannt.

Der Landesinnungsverband hat bereits vor Ostern dem Bayerischen Wirtschaftsministerium Vorschläge für die Exit-Strategie des Friseurhandwerks unterbreitet. Seit gestern Abend gibt es nun auch ein weiteres Positionspapier des Zentralverbandes. Dieses schlägt ein Bündel von Maßnahmen vor, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Das Positionspapier kann als Anhaltspunkt für die zu erwartenden Auflagen an die Mitgliedsbetriebe weitergegeben werden. Das letzte Wort hat allerdings auch hier die Politik.

Ostern und die ungelegten Eier

Beim Einkaufen hat mir die freundliche Metzgereifachverkäuferin erzählt, dass ihre kleine Tochter jeden Tag fragt „Mama, wann ist endlich Ostern?“. Wir alle kennen diese Ungeduld von Kindern vor besonderen Ereignissen. Und was antworten wir als Erwachsene? „Du muss noch ein bisschen Geduld haben. Bald ist es so weit. Der Osterhase kommt auch ganz bestimmt zu dir. Natürlich wird er dich nicht vergessen …“ Das Kind weiß nicht, dass Eltern, Geschwister, Großeltern längst die Vorbereitungen für die spannende Ostereiersuche am Sonntagmorgen getroffen haben.

Warum schreibe ich das hier? Viele Saloninhaber und ihre Mitarbeiter sind genauso ungeduldig wie das Kind in seiner Vorfreude auf den Osterhasen. „Wann dürfen wir unseren Salon wieder öffnen und unter welchen Bedingungen?“ ist die Frage, die viele umtreibt. Natürlich geht es bei der Ungeduld der Friseure nicht um ein paar Schokoeier, sondern um die wirtschaftliche Existenz einerseits und die Gesundheit der Friseure, ihrer Angehörigen und Kunden andererseits. Trotzdem kann und muss ich heute sagen: Die bayerischen Friseure müssen noch etwas Geduld haben. Es ist kein Zeitplan bekannt und auch die Bedingungen für die Wiedereröffnung der Salons stehen noch nicht fest. Aber so wie das Kind von den Ostervorbereitungen nichts mitbekommt, läuft eben auch manche Arbeit des Landesinnungsverbandes im Hintergrund und ist somit für die Mitglieder nicht erkennbar. In den vergangenen Wochen wurde sowohl auf Landes- als auch Bundesebene intern an der Exit-Strategie für die Branche gearbeitet. In vielen Telefonaten, Chats und Videokonferenzen wurden Fakten und Ideen ausgetauscht, unterschiedliche Ansichten diskutiert und Positionen festgelegt. Warum wir die Mitglieder nicht über die Ergebnisse informieren? Nun, über ungelegte Eier spricht man nicht.

Friseurunternehmer sind es gewohnt, sich Maßnahmen für den Salon zu überlegen und dann umzusetzen. In der Verbandsarbeit gelten aber andere Gesetzmäßigkeiten als im Unternehmen. Wir können uns eine schöne Exit-Strategie überlegen, aber damit ist die Arbeit nicht erledigt. Unsere Überlegungen müssen mit anderen Organisationen wie z.B. der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege abgestimmt werden. Und dann müssen wir die politischen Entscheidungsträger überzeugen. Das alles ist am Laufen, aber es gibt noch keine veröffentlichbaren Ergebnisse.

Wenn einzelne Betriebe nun aber eigene Vorschläge an die Politik herantragen, ist das kontraproduktiv. Was für den einzelnen Salon unter Marketinggesichtspunkten richtig ist, taugt nicht unbedingt als Beratungs- und Entscheidungsgrundlage für die Politik.

Daher die große Bitte: Genießen Sie die Ostertage zuhause, polieren Sie Ihr Werkzeug, bringen Sie den Salon auf Hochglanz, räumen Sie den Keller auf oder graben Sie den Garten um … aber bringen Sie bitte keine eigenen Konzepte für die hoffentlich baldige Wiedereröffnung der Friseursalons in Umlauf.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein schönes Osterfest und hoffe sehr, dass die Bayerische Staatsregierung eine schöne Überraschung für uns alle vorbereitet.

Ihre
Doris Ortlieb
Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes des bayerischen Friseurhandwerks