Bayerische Friseure fordern von Schäuble: Schwarzarbeit im Friseurhandwerk koordiniert bekämpfen

Die Teilnehmer der Mitgliederversammlung in FFB.

Die Teilnehmer der Mitgliederversammlung in FFB.

Um Schwarzarbeit und Lohndumping im Friseurhandwerk einzudämmen, arbeitet das bayerische Friseurhandwerk intensiv mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Hauptzollamt München zusammen. Damit die Arbeit der FKS auch in anderen bayerischen Regionen so erfolgreich wird, hat sich der Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks an Bundesfinanzminister Dr. Schäuble als oberstem Dienstherrn gewandt. „Wir fordern einen Runden Tisch der bayerischen FKS, um das Münchner Modell als Best Practice für Kontrollen im Friseurhandwerk vorzustellen“, so Landesinnungsmeister Andreas Popp auf der Mitgliederversammlung der bayerischen Friseure in Fürstenfeldbruck.

Zugleich wehrt sich der Verband gegen die Vorgehensweise anderer FKS, die in Schwerpunktaktionen erfolglos eine Vielzahl von Friseursalons kontrollieren und dabei auch noch die nötige Sensibilität vermissen lassen. „Zöllner im Kampfanzug gehören nicht an umsatzstarken Tagen in legal arbeitende Salons. Das ist eine Vergeudung von Ressourcen und bringt nicht den gewünschten Effekt“, so Popp weiter.

Die Schwarzarbeit im Friseurhandwerk hat viele Gesichter. Sie findet bei Kellerfriseuren, im Reisegewerbe und bei Kleinstgewerbetreibenden ebenso statt wie bei nach außen hin ganz normalen Salons, die sich durch Lohndumping und Schwarzlohnzahlungen Vorteile im Wettbewerb verschaffen.

Seit einigen Jahren arbeitet daher der Landesinnungsverband eng mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) beim Hauptzollamt München zusammen. Die FKS kontrolliert bei Betriebsbesuchen nicht nur, ob die rechtlichen Voraussetzungen für die Handwerksausübung vorliegen, sondern auch das Einhalten des allgemeinverbindlichen Entgelttarifvertrages sowie das Vorliegen von illegaler Beschäftigung und Leistungsmissbrauch. Regelmäßig werden mit großem Erfolg Salons in München kontrolliert. Beim bisher größten aufgedeckten Fall von Lohndumping lag der Schaden bei 680 000 Euro. Über Jahre hatte der Inhaber mehrerer Friseursalons hunderttausende Euro an Sozialabgaben unterschlagen. „Solche Friseure beschmutzen das Ansehen der gesamten Branche. Sie verschaffen sich auf nicht legale Weise Vorteile im Wettbewerb und schädigen Staat und Sozialsysteme“, so Landesinnungsmeister Andreas Popp.

 

Finanzkontrolle Schwarzarbeit nimmt Billig-Friseure ins Visier

München (17. Dezember 2008) – Sechzehn Billig-Friseurbetriebe im Münchner Bahnhofsviertel mit über 80 Personen wurden Mitte Dezember durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit München überprüft. Hierbei stellten die Ermittler zahlreiche Verstöße gegen das Handwerksrecht fest. Ein Großteil der Betriebe zahlte wohl auch nicht den Lohn nach dem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag.

Der LIV begrüßt, dass mit dieser Aktion die Befürchtungen der Innung und des Landesinnungsverbandes ernst genommen und schwarze Schafe genauer überprüt werden.Vielfältig waren die Verstöße, die von der Prüfern des Hauptzollamts München festgestellt wurden: So konnte fast keiner der geprüften Billig-Betriebe einen Meister vorweisen, der die geforderte Arbeitszeit in dem Betrieb leistete; in einem Fall wurde sogar eine Lehrling ohne Meister ausgebildet. Die Handwerksverstöße werden an das Kreisverwaltungsreferat weiter gemeldet: Dieses prüft dann in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer, ob eine Schließung der Betriebes erforderlich ist. Ein Friseur hat in einem Billigsalon – ebenfalls ohne Meistertitel – einen Stuhl angemietet, um dort sein „eigenes Gewerbe“ auszuüben.

Neben dem handwerkrechtlichen Verstoß prüfen die Zöllner hierbei auch, ob die tatsächlichen Voraussetzungen für eine Selbständigkeit gegeben sind.Teuer wird es für die zahlreichen Billigbetriebe, die ihr Personal nicht nach dem geltenden Tariflohn bezahlen. Obwohl die Untergrenze der Löhne bei 7,04 €, nach einem Jahr 7,66 € pro Stunde liegt, hat ein Arbeitgeber seinen Leuten nur 5,25 € brutto gewährt. Da der Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt ist, besteht nicht nur für die Arbeitnehmer ein Rechtsanspruch auf die Zahlung. Auch die Sozialversicherung ist für den Mindestlohn fällig, egal ob dieser ausbezahlt wurde oder nicht. Neben der Nachforderung der Beiträge wird auch die Einleitung von Strafverfahren wegen Nichtentrichten der Beiträge geprüft. In zwei geprüften Betrieben waren Beschäftigte gar nicht angemeldet, ein Ausländer arbeitete ohne Arbeitserlaubnis. In diesen Fällen werden Straf- und Bußgeldverfahren gegen die Inhaber eingeleitet.